Shanghai: Konsul erfreut über Delegation aus Österreich

Die österreichische Politik nehme den Wirtschaftsraum China nach wie vor nicht ernst genug, sagt der Generalkonsul von Österreich in Shanghai, Michael Heinz. Anders als die Unternehmer, die die Wichtigkeit des Marktes längst erkannt hätten, gebe es von der Regierung zu wenige Anstrengungen. So müssten österreichische Politiker viel öfter vor Ort in China sein. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel mache es vor, sie sei fast jeden Monat Gast im 1,3 Milliarden Menschen zählenden Land und helfe so den deutschen Wirtschaftstreibenden im Fernen Osten.

Mit deutlichen Worten machte Generalkonsul Heinz auf die fehlende Präsenz hoher Staatsvertreter in seinem Wirkungsgebiet aufmerksam, als der Dritte Nationalratspräsident Martin Graf mit einer Politik- und Wirtschaftsdelegation dem diplomatischen Vertreter Österreichs in Shanghai einen Besuch abstattete. In dieser Delegation befinden sich neben dem Wiener Landtagspräsidenten Johann Herzog und den beiden Wiener Landtagsabgeordneten Ute Meyer und Bernhard Rösch auch die Nationalratsabgeordneten Alois Gradauer und Max Linder. Die Letztgenannten gehören außerdem der bilateralen parlamentarischen Gruppe Österreich-China an. Außerdem begleiten auch österreichische Unternehmer die Reise, die von 1. bis 13. Mai dauert und Politiker- sowie Wirtschaftsgespräche in Peking, Hangzhou, Shanghai, Hongkong und Macau umfasst.

Gigantischer Wirtschaftsraum Südost-China

Die Delegation konnte gut verstehen, warum der Konsul auf dieses Kontaktdefizit aus seinem Heimatland hinwies und sich über den Besuch hocherfreut zeigte. Denn vor diesem Treffen mit Michael Heinz in seiner Residenz wurden aufschlussreiche Wirtschaftsgespräche in den beiden Finanzmetropolen Hangzhou und Shanghai geführt. In Hangzhou diskutierten Graf und Co. mit 52 Wirtschaftsmagnaten der Region. Jeder von ihnen macht mehr als 500 Millionen Euro Umsatz pro Jahr. Und in Shanghai gab es ein hochinteressantes Gespräch mit dem Direktor der Bank of Shanghai. Das Geldinstitut weist eine Bilanzsumme von 810 Milliarden Euro auf, obwohl es erst im Jahr 1997 gegründet wurde. Bei dieser Wirtschaftsleistung und den genannten Summen war der Delegation die gigantische Marktsituation und die Wichtigkeit der Präsenz österreichischer Regierungsvertreter allein in dieser südöstlichen Region Chinas schnell bewusst.

Sieben Universitäten auf einem Fleck

Die Wirtschaftsmacht China zeigt besonders in Shanghai, was sie kann. Türme, die über 600 Meter in den Himmel ragen, Banken, die sich offenbar einen Wettbewerb liefern, welches Gebäude die schönste Architektur hat, und rund vierzig Kilometer außerhalb der Stadt Shanghai befindet sich mit der Songijang University wohl die Kaderschmiede für das künftige Management der stark wachsenden Unternehmen. So etwas gibt es in Europa nicht: In einer eigenen Stadt befinden sich sieben Universitäten mit 100.000 Studenten, die hier auch wohnen und ihre Freizeit verbringen. Elend lange Häuserzeilen mit strengem einheitlichen Design, aber modern in ihrem Aussehen, vermitteln dem Besucher aus Österreich ein ungewohntes Bild. Auch das, was drinnen passiert, möchte man dem Bildungswesen einer kommunistischen Gesellschaft nicht zuschreiben. So beträgt die niedrigste Studiengebühr, die sich je nach Fach orientiert, pro Jahr umgerechnet 630 Euro. Wer kein Geld zum Studieren hat, bekommt vom Staat sozusagen Kredit. Nach dem Studium muss dieses Geld zurückgezahlt werden.

Wien-Ball in Shanghai

Wer das alles live erlebt und gesehen hat, wie die Delegation unter der Leitung des Dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf, weiß, wie wichtig der Appell von Generalkonsul Michael Heinz ist, auf diesem Fleck der Erde seitens der Politiker mehr Präsenz zu zeigen. Rund 500 erfolgreiche österreichische Wirtschaftsbetriebe tun dies in Shanghai bereits. Heinz gelingt es zumindest einmal im Jahr, Aufmerksamkeit für Österreich zu erreichen. Er ist Veranstalter des Wien-Balls in Shanghai, aber auch bei diesem gesellschaftlcihen Ereignis nehmen selten wichtige Politiker aus Österreich teil. Zuletzt hatte die Wiener Frauenstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) die rot-weiß-roten-Fahnen in Shanhai hochgehalten.

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