Eurokrise: Island als Vorbild

Nachdem die Ratingagentur Moody’s Slowenien auf Ramschniveau herabgestuft hat, ist es nur mehr eine Frage der Zeit, bis das nächste Land unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen wird. Wie das Spiel läuft, ist ja von Griechenland und zuletzt Zypern hinlänglich bekannt: Zuerst wird der Ernst der Lage geleugnet, um später kleinlaut einen Antrag auf Hilfszahlungen zu stellen.

Kommentar von Andreas Mölzer

Zudem zeigt sich mit Slowenien einmal mehr, dass die Schuldenkrise eigentlich eine Bankenkrise ist. Denn die beiden größten Kreditinstitute befinden sich in einer gefährlichen Schieflage und drohen das ganze Land mit in den Abgrund zu reißen. Und auch diese fatalen Wechselbeziehungen zwischen Banken und Staatshaushalten kennen wir – aus Irland, Griechenland und Zypern, aber auch aus Island.

Dabei kann gerade die Insel im Nordatlantik als Beispiel dienen, wie mit Pleitebanken zu verfahren ist. Denn anstatt diese bis zum St. Nimmerleinstag mit Steuergeldern zu alimentieren, hat Island am Höhepunkt der Krise im Jahr 2008 seine Problembanken in eine geordnete Insolvenz geschickt. Außerdem wurde das traditionelle Bankgeschäft vom hochspekulativen Investmentbanking getrennt. Und inzwischen ist Island wieder auf die Beine gekommen – nicht zuletzt deshalb, weil das Land über eine eigene Währung verfügt, was wiederum die Notwendigkeit unterstreicht, Pleitestaaten aus dem Euro ausscheiden zu lassen.

Andreas Mölzer ist Mitglied des Europäischen Parlaments und Herausgeber des Wochenmagazins Zur Zeit.

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