Zwischen Speck und Meeresfrüchten: Ein Kärntner in Hongkong

Einen bis zum Äußersten gefüllten Terminkalender hatte die Delegation des Dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf in China. Nach Gesprächen in Peking, Hangzhou und Shanghai mit hochrangigen Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur ging es in Hongkong in dieser Dichtheit an Treffen weiter. Einer Einladung des Parlamentspräsidenten folgten ein Empfang des österreichischen Generalkonsuls, Gerhard Maynhardt, Gespräche mit Auslandsösterreichern und eine Besichtigung einer österreichischen Firma, die in Hongkong zum Global Player wurde.

Als der Kärntner Willi Steger vor 30 Jahren seine Heimatstadt Afritz am See verließ, um einer heiratswütigen Deutschen zu entfliehen, konnte er nicht ahnen, dass er es einmal zu einem international führenden Unternehmer in der Leistungselektronik bringen würde. Heute beschäftigt er in Südchina 250 Menschen und beliefert zahlreiche renommierte Firmen mit Ladetechnik. Das Büro der Mainland Energy Convention Ltd befindet sich in Hongkong, vier Mitarbeiter managen den Vertrieb in Europa von Afritz aus. General-Manager Helmut Valente jettet ständig zwischen Kärnten und Hongkong, was auch lukullische Abwechslung bedeutet: So gibt es einige Wochen Kärntner Speck und die andere Zeit Meeresfrüchte.

Behördliche Lohnerhöhung vertreibt Firmen

Das Treffen mit Steger und Valente hatte der Afritzer Bürgermeister und FPK-Nationalratsabgeordnete Max Linder eingefädelt. Er gehörte der China-Delegation ebenso an wie sein Abgeordnetenkollege Alois Gradauer und die Wiener Landespolitiker Johann Herzog, Ute Meyer und Bernhard Rösch. Steger erzählte, dass sich die Zeiten in Hongkong und China, als man als Ausländer noch sehr erfolgreich sein konnte, geändert hätten. Mindestlohn und von der Regierung festgelegte gestaffelte Lohnerhöhungen von jährlich 20 Prozent in den ersten fünf Jahren machen es den Unternehmern schwerer, Gewinne einzufahren. Produktionen werden nach Indonesien oder Bangladesch verlegt. Die Jugendlichen würden nicht mehr in Fabriken arbeiten wollen, sondern in Büros mit Computern.

Parlamentspräsident zeigte neues Hohes Haus

Interessante Einblicke in die Politik Hongkongs gewährte Parlamentspräsident Jasper Tsang. Stolz präsentierte er das neu errichtete Hohe Haus um 120 Millionen Euro für 70 Abgeordnete von 17 Parteien. Zum Vergleich: Für die Renovierung des österreichischen Parlaments sind bis dato 524 Millionen Euro veranschlagt. Insgesamt sind im Hongkong-Parlament 600 Mitarbeiter beschäftigt, für einen Abgeordneten arbeiten, je nach Ressort, ein bis zehn Personen. Das demokratische System ist widersprüchlich: Während von den 70 Abgeordneten nur 35 vom Volk gewählt und 35 von Institutionen, wie zum Beispiel von der Anwaltskammer oder der Textilindustrie, entsandt werden, müssen nicht nur alle Sitzungen des Plenums, sondern auch alle Ausschuss-Sitzungen öffentlich im Fernsehen übertragen werden. Hongkong, die frühere Kolonie Großbritanniens, und die frühere portugiesische Kolonie Macau haben nach wie vor einen Sonderstatus in China. Dieser gilt zunächst bis 2047. Ob es danach nur noch ein System in China gibt, steht in den Sternen. Ungewöhnlich ist, dass Europäer für die Einreise in Hongkong kein Visum benötigen, Chinesen aber schon. Die Furcht vor einer Überbevölkerung ist der Grund, schon heute sind die Häuser und Menschen auf engstem Raum zusammengepresst. Die Preise für Miet- und Eigentumswohnungen steigen ins Unermessliche. Für eine 25 Quadratmeter große Wohnung zahlt man 1200 Euro Miete, will man die Wohnung kaufen, muss man umgerechnet eine Million Euro hinblättern.

Nur 80.000 Autos in 7,5-Millionen-Stadt

Wie eng die Stadt ist, zeigt am besten der Verkehr. So gibt es in Hongkong, wo 7,5 Millionen Menschen leben, nur 80.000 Autos, davon 20.000 Taxis, doch außer in den Nachtstunden herrscht auf den Straßen Dauerstau. Gäbe es keine U-Bahnen und Busse, würde der Verkehr völlig zum Erliegen kommen. Ein Parkplatz ist sowieso nicht zu finden. Es fehlen auf dem engen Raum einfach leistungsstarke Straßen, dazu kommen die vielen Baustellen von neuen Wolkenkratzern, die in jede freigewordene Fläche hineinwachsen.

Geld hält Auslandsösterreicher in Hongkong

Hier zu leben, ist gewöhnungsbedürftig. Alexander Häusler, Manager der Regal-Hotelgruppe, würde gerne wieder nach Österreich zurückkehren. Seine Frau und sein Sohn sind schon vor einigen Jahren in die Nähe von Wien gezogen. In Hongkong hält Häusler das Geld. Was er hier verdient, bekommt er in Österreich nicht annähernd. So bleiben immer nur wenige Wochen, die er mit seiner Familie verbringen kann. Häusler war einer der Auslandsösterreicher, die in die Residenz des österreichischen Generalkonsuls gekommen sind, um mit den Besuchern aus Österreich Meinungen auszutauschen. Konsul Maynhardt hatte zu diesem Empfang auch den Chef der Reformkommission und hohen Justizbeamten Stephen Wong eingeladen. Wong ist nicht nur ein wichtiger Beamter in Hongkong, sondern auch ein großer Freund Österreichs. In Wien veranstaltete er schon mehrmals Frühlingsfeste. Wong war auch diplomatischer Vertreter Hongkongs in Berlin und zuständig für die Beziehungen zu den deutschsprachigen Ländern.

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