Botschafts-Residenzen: Die ärmsten Länder haben die schönsten Paläste

Wenn es im Parlament um Geld für die Entwicklungshilfe geht, gehen die Wogen hoch. Österreich gibt jährlich rund 800 Millionen Euro für Projekte in den ärmsten Ländern der Welt aus, so auch für den afrikanischen Staat Namibia. Die Regierung dieses Landes dürfte aber gar nicht so schlecht bei Kasse sein, denn auf einem der teuersten Bauplätze in Wien, nämlich in Grinzing, entstand eine Pracht-Residenz für die Botschaft.

Das Gebäude befindet sich in der Feilergasse 15 gleich neben dem Peter-Alexander-Platz. Namibia hat das alte Presshaus aus dem Jahr 1572 zu einer wahren Luxus-Immobilie umbauen lassen. Anrainer wundern sich nicht nur darüber, dass ein angebliches Dritte-Welt-Land im Ausland regelrechte Paläste für ihre diplomatischen Vertreter errichtet, sondern auch über die Baugenehmigungen, die hier offenbar locker vergeben wurden. Namibias Residenz in Döbling ist kein Einzelfall: Selbst in Peking, wo zum Beispiel die österreichische Botschaft in einem recht bescheidenen Haus untergebracht ist, fällt beim Queren des Botschaftsviertels auf, dass die ärmsten Länder immer mit den prächtigsten Palästen protzen.

Gelder fließen in die falschen Kassen

Da liegt der Verdacht sehr nahe, dass einiges schief läuft bei der Entwicklungszusammenarbeit. Indizien dafür gibt es zuhauf. Der deutsche Autor Volker Seitz schreibt in seinem Buch „Afrika wird arm regiert“ auf Seite 17: „Steuergelder werden überall vergeudet, aber hier werden sie als Budgethilfe geradezu aus der Luft abgeworfen.“ Der ganze Kontinent, so Seitz weiter, würde zum Almosenempfänger, nicht wegen der Menschen und Völker, sondern weil sie Regierungen haben, die faul, raffgierig und größenwahnsinnig wären. Der Autor beklagt, dass trotz Zweckgebundenheit der Entwicklungsgelder diese immer wieder Wege in die falschen Kassen finden und den Verantwortlichen Luxusvillen in zahlreichen Ländern finanzieren. Auch konnte er bei seinen Recherchen beobachten, dass es in den Entwicklungsländern eine erstaunliche Mercedes-Dichte gibt.

800 Millionen Euro jährlich für Entwicklungshilfe

Der freiheitliche Nationalratsabgeordnete Alois Gradauer streitet Jahr für Jahr vor allem mit seinen Grünen Kollegen über die Höhe der Entwicklungshilfe: „Für mich als Budgetpolitiker ist es unerträglich, dass 0,27 Prozent des BiP, nämlich fast 800 Millionen Euro jährlich, für Entwicklungszusammenarbeit ausgegeben werden und in Österreich gleichzeitig Pensionen, Familienbeihilfen und sonstige Sozialleistungen gekürzt werden“, sagt Gradauer gegenüber Unzensuriert.at.

Entwicklungshilfe macht abhängig und lethargisch

Warum kommt Afrika wirtschaftlich nicht auf die Beine? „Weil Entwicklungshilfe den Kontinent seit Jahrzehnten in Armut hält“, sagt Peter Heller in seiner Dokumentation „Süßes Gift“. Zu Beginn des Films wirft ein Flugzeug weiße Säcke ab, irgendwo in Afrika über einer staubigen Savanne. Ein Pulk von Menschen rennt los zum Ort des Abwurfs, sie kauern sich hin und scharren vom Boden auf, was sie kriegen können. Jeder will möglichst viel von der Hilfe ergattern, die da vom Himmel fiel. Peter Heller kommt nach dieser Szene zum Schluss: „Wer sich mit derartiger Energie auf abgeworfene Getreidekörner stürzt, steckt entweder in einer lebensbedrohlichen Notlage – oder er hat sich so sehr an die Lieferung aus der Luft gewöhnt, dass er gar nicht mehr auf die Idee kommt, sich aus eigener Kraft zu versorgen.“

Das ist die Botschaft des Films „Süßes Gift“: Entwicklungshilfe macht abhängig und lethargisch. Sie zerstört jede Motivation, sich selbst anzustrengen, denn man bekommt sie gratis und ganz ohne Mühe. Zugleich ist sie ein Geschäft, dessen Profite vor allem westliche Unternehmen einstreifen – die Armen aber, die Hilfe am dringendsten bräuchten, gehen leer aus.

Fischfabrik ohne Strom und sauberes Wasser

Der Film zeigt aber auch auf, wie konkrete Entwicklungshilfe versagen kann. In Kenia wollte man die Turkana, traditionell ein nomadisches Hirtenvolk, zu Fischern machen, um sie vor den Folgen einer Dürre zu bewahren. Mit norwegischem Geld wurde also eine Fischfabrik gebaut, um den Fang zu vermarkten. Doch es gab weder Strom, um die Fische zu kühlen, noch ausreichend sauberes Wasser, um sie zu reinigen. Die Fabrik nahm ihren regulären Betrieb nie auf. Nur ein Beispiel von vielen, die bei den Bürgern der Geberländer Kopfschütteln verursachen.

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