Deutsch soll verbindliches Kriterium für Schulreife werden

SPÖ-Bildungsministerin Claudia Schmied und ÖVP-Staatssekretär Sebastian Kurz gaben bekannt, dass Deutsch ein rechtlich verbindliches Kriterium für die Schulreife wird. Alles Gesagte klang durch und durch gut, hat aber einen bedauerlichen Fehler: Nur graue Theorie.

Einen Tag nachdem der über die Bundesländer fegende schwarz-grüne Tsunami in Salzburg die SPÖ sogar durch das Team Stronach ersetzte, gab sich die rote Ministerin gegenüber dem schwarzen Regierungskollegen streichfähig und streute ihm und der Zusammenarbeit tonnenweise Rosen. Inhaltlich versuchte sie, dem Namen des Audienzzimmers am Minoritenplatz 5 (Blauer Salon) politisch gerecht zu werden und übte sich in vernünftigen Aussagen: Die möglichst frühe Erlernung der deutschen Sprache sei das Um und Auf der Integration, Bildungserfolg hänge primär davon ab. Die heutigen Kinder würden in 15, 20 Jahren ein bestimmender Teil unserer Gesellschaft sein. Daher sei die Beherrschung der deutschen Sprache ab September 2013 per Erlass ein Kriterium.

Direktoren entscheiden über Maßnahmen

Das zweite wichtige Element sei eine Individualisierung. Dass die Schulleiter selbst entscheiden dürften, wie sie mit den nicht ausreichend Deutsch sprechenden Kindern verfahren, ob es z. B. eigene Vorschulklassen für diese gebe. Der Schulstandort Reichenau/Rax sei anders zu sehen als der Reumannplatz in Wien.

Sebastian Kurz erwiderte Schmieds Komplimente und wies darauf hin, dass 25 % der Schulkinder österreichweit einen Migrationshintergrund hätten, in den Volksschulen in Wien 60 %. Diese Vielfalt könne eine Chance sein, dafür sei aber Deutsch die Grundvoraussetzung. 60 % der Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache würden das Deutsche bei Schuleintritt unzureichend beherrschen. Ein diesbezüglicher OECD-Vergleich weise für Österreich den vorletzten Platz aus. Leider sei für einen Bildungserfolg zu oft die Herkunft entscheidend und zu selten die Begabung. Der Erlass an alle Behörden verpflichte diese zum Handeln, gebe den Schulleitern aber die Autonomie über die Vorgangsweise selbst zu entscheiden. Besondere Unterstützung würden die jährlich 7.000 nichtdeutschsprachigen Quereinsteiger in den Schulbetrieb benötigen. Vorerst reiche der Erlass, sollten sich Nachschärfungen als notwendig zeigen, sei auch eine gesetzliche Regelung möglich. Mit dieser Maßnahme habe man jetzt ein „solides Mittelklasseauto“ geschaffen, das sei „besser als zu Fuß oder mit dem Radl“.

„Außerordentliche Schüler“ ohne Deutschkenntnisse

Anschließend wurden kritische Journalistenfragen beantwortet. Dabei stellte sich heraus, dass der Status des „außerordentlichen Schülers“ (spricht kaum Deutsch, wird jahrelang ohne Benotung mitgeschleppt) bestehen bleibt, was den Erlass an sich völlig in Frage stellt. Das verpflichtende zweite Kindergartenjahr sei weiter ein Ziel, die Länder, Bundes- und Vizekanzler seien auch dafür, aber es fehle noch das Geld. Eine generell mangelnde budgetäre Deckung wurde von Kurz kurzerhand damit abgetan, dass Geld nur effizienter eingesetzt werden müsse. Schmied betonte ihr zusätzliches Anliegen einer ganztägigen schulischen Betreuung, insbesondere wegen der Migrantenkinder und stellte klar, dass die Individualisierung bei der Mitsprache der Eltern ihre Grenzen habe. Der Schulleiter entscheide für die Kinder.

Mit keinem Wort angesprochen wurde das rot-grüne Wien, in dem der Deutsch-Priorität diese Woche wieder eine klare Absage erteilt worden war.

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