ORF blickt nervös auf das Ende des griechischen Staatsfunks

Keine 24 Stunden vergingen, ehe aus dem ORF Empörung über das abrupte Ende des griechischen Staatsfunks erklang. Weil der staatliche Rundfunksender ERT in Griechenland das Budget jährlich mit 300 Millionen Euro belastet, drehte die griechische Regierung rund um den christdemokratischen Ministerpräsident Antonis Samaras kurzerhand den Geldhahn zu und will jetzt eine neue öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt schaffen. Am Küniglberg in Wien scheint nun der Angstschweiß auszubrechen.

ORF solidarisiert sich

Der ORF ist zwar auch teuer, aber im Vergleich mit den Griechen harmlos: 2010 bekam er einen Zuschuss von 160 Millionen auf vier Jahre. Parallelen zeigen sich vor allem in der parteipolitischen Nähe. In Athen wurde „die heilige Kuh ERT geschlachtet“, wie es Regierungssprecher Simos Kedikoglou ausdrückte. Dies veranlasste nun die Journalisten des ORF dazu, sich in einer Presseaussendung „bestürzt über die undemokratische Aktion der griechischen Regierung“ zu zeigen. Sie drückten den Kollegen bei ERT ihre Solidarität aus.

Dieter Bornemann, Vorsitzender des ORF-Redakteursrates, scheint die Handlungsweise der griechischen Regierung nicht nachvollziehen zu wollen und übt sich in einem Versuch, österreichischen ORF-Kritikern einen Denkanstoß zu geben:

Schließung oder (Teil-)Privatisierung des öffentlich-rechtlichen Senders führt nie zu einer besseren demokratischen Verfasstheit eines Landes. Privatisierung von öffentlich-rechtlichen Medien spielt kommerziellen Interessen in die Hände und führt ganz sicher nicht zu einem besseren Journalismus, der eine Kontrollfunktion gegenüber den Mächtigen eines Landes haben muss.

Redakteure erkennen Ähnlichkeit bei politischer Abhängigkeit

Überhaupt dürfe es nach einer 75-jährigen Existenz eines öffentlich-rechtlichen Senders, wie es ERT war, so etwas wie eine Schließung nicht geben, ohne darüber eine öffentliche Debatte geführt zu haben, meint der Redakteursrat des ORF. Der Politik gesteht man die Freiheit, mit ihrem „Spielzeug“ zu tun, was man will, nicht zu:

Es sollte in jedem demokratischen Land klar sein, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht Spielball der Politiker sein darf, sondern ausschließlich für die Bürger da ist. In Griechenland, in Österreich und allen anderen Ländern.

Dieter Bornemann und Kollegen haben die Parallelen also erkannt. Ihrer Linie folgend müssten sie jedoch auch in Österreich für einen Neubeginn eintreten. So entkommt man den Fängen der Politik am schnellsten.

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