Erdogan-Demo zeigt, was in Wien „Die Stadt gehört dir“ bedeutet

Am Sonntag bestätigten sich alle bisherigen Meinungsumfragen unter den in Österreich lebenden Türken plastisch: Hierzulande wählt man SPÖ und in der Türkei Erdogans islamistische AKP.

„Die Stadt gehört dir“ – das ist eine der Parolen bei Plakatkampagnen des roten Rathauses, wenn es darum geht, Wien als „Weltstadt“ und „Wohlfühlstadt“ darzustellen. Die Realität entfernt sich aber immer weiter davon. Die folglich der SP in Scharen davonlaufenden Alteingesessenen und nichtmuslimischen Migranten wollen Häupl & Co. vor allem durch die Türken ausgleichen. Deshalb werden diverse Anwesenheitsprämien bezahlt, von der Arbeitslosenunterstützung bis zur Vereinssubvention. Und bei keiner Migrantengruppe sitzt das Händchen bei der Vergabe von Staatsbürgerschaft samt Gemeindewohnung so locker. 

Türkische Überlegenheit in Österreich

Diese Privilegierung in Verbindung mit dem Regime Erdogans in Ankara, das die Türken als den anderen Völkern überlegen versteht, ließ in Wien eine aggressive Masse wachsen, die noch nie so eindrucksvoll Farbe bekannt hat. 8.000 Teilnehmer waren es laut Polizei, 11.000 laut Organisatoren. Die Tageszeitung Österreich, an deren Redaktionsgebäude sich der Zug vorbeiwälzte, schreibt von 15.000. Beobachter würden auch 20.000 nicht anzweifeln. Knapp vor Ende der Route dauerte es Ecke Mariahilfer Straße/Stiftgasse eine halbe Stunde lang, ehe der gesamte Tross auf Fahrbahn und Gehsteigen vorbeigezogen war. Fußballplatz-Erfahrener meinen, dass man damit durchaus ein Hanappi-Stadion oder zwei Wiener-Sportclub-Plätze hätte füllen können. Hinzu kommt, dass viele Favoritner Türken zwar an der Demo beim Sammelpunkt am Columbusplatz teilnahmen, aber nicht mitmarschierten. Über Favoritenstraße, Wiedner Hauptstraße, Karlsplatz und Mariahilfer Straße ging es bis knapp vor den Westbahnhof. 

Die Palette der Teilnehmer bot zwar auch Skurrilos, deckte aber alles ab, vom Greis zum Kind und von der Kopftuch-Portschunkula bis zur blondgefärbten Minirock-Trägerin. Es wurden Pro-Erdogan-Parolen skandiert und immer wieder auch „Allahu akbar“. Von der friedlichen Masse zum Mob ist es nur ein missliebiges Wort: Zwischen Getreidemarkt und Rahlgasse konnten einige Autofahrer nicht rechtzeitig umgeleitet werden und waren für länger gefangen. Ein junger Mann hat das Fenster runtergelassen und offenbar seinen Unmut kundgetan. Ein Beobachter bekam einen Tritt gegen den Knöchel ab, als um ihn herum gleich ein Dutzend Männer auf das Auto losstürmten und bereits nach der Kehle des Lenkers langten. Aber sogleich waren auch die aufmerksamen und allgegenwärtigen Ordner zur Stelle, die unter flehentlichen Bitten, ja keinen Blödsinn zu machen, die Heißsporne abhielten. Noch einmal mussten sie das bei einem (kurdischen) „Türkis“-Restaurant tun, bis die Polizei zum Schutz eintraf. Die grün wählenden Bobos der Innengürtelbezirke standen auf der Seite. Manche begannen Diskussionen mit den Islamisten/Nationalisten und riskierten damit, immer wieder angepöbelt zu werden, so wie ein betrunkener Punk, der die Welt nicht mehr verstand…

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