Ingeborg-Bachmann-Preis: Ohne ORF geht s auch!

Der Ingeborg-Bachmann-Preis wurde 1976 von der Stadt Klagenfurt in Gedenken an die Schriftstellerin Ingeborg Bachmann gestiftet und wird seit 1977 jährlich während der mehrtägigen Veranstaltung „Tage der deutschsprachigen Literatur“ verliehen. Er gilt als eine der wichtigsten literarischen Auszeichnungen im deutschsprachigen Raum.  

Die Hauptlast für diese Literatur-Veranstaltung muss das ORF-Landesstudio Kärnten tragen – die Kosten wurden zuletzt mit 350.000 Euro beziffert. Der Regionalsender bekam von Wien aber den Auftrag, 2014 eine Million Euro einzusparen. Weshalb der Chef des Österreichischen Rundfunks und Fernsehens, Alexander Wrabetz, in die Öffentlichkeit ging und verkünden ließ, das Geld für den Bachmann-Preis nicht mehr zur Verfügung zu stellen, was das Aus für dieses renommierte Lesefest bedeuten würde.

Politik gesteht ORF Gebührenrefundierung nicht zu

So jedenfalls scheint das Kalkül des ORF-Bosses zu sein. Denn die Aufregung darüber, den Ingeborg-Bachmann-Preis nicht mehr durchführen zu wollen, könnte durchaus gewollt gewesen sein. Wrabetz kämpft derzeit nämlich fast schon verbissen für die so genannte Gebührenrefundierung für das Staatsfernsehen, die ihm die Politik nicht zubilligen möchte. Er will die rund 30 Millionen Euro aus dem Steuertopf, die dem ORF durch die Gebührenbefreiung von den rund 300.000 Fernsehzuschauern entgehen. Für das Jahr 2013 gab es diese Summe noch, doch im Finanzrahmen-Gesetz, das kürzlich den Ministerrat passierte, ist die Gebühren-Refundierung für 2014 nicht enthalten.

Entrüstung in der Bevölkerung blieb aus

Die Meldung, dass der ORF auf Millionen verzichten muss, lösten auf dem Küniglberg reflexartig Sparankündigungen aus. Die Filmwirtschaft, die bei den Oscar-Verleihungen reüssierte, werde darunter leiden müssen, ja sogar die Barrierefreiheit, wie die Untertitelung für Hörschwache, könne nicht mehr garantiert werden. Regisseure und Schauspieler protestierten gleich mit, um dem ORF den Rücken zu stärken. Die ganz große Entrüstung der Bevölkerung blieb aber aus. Erst recht, als Wrabetz sogar die ORF-Eigenproduktionen, wie zum Beispiel den Serien-Schwachsinn von David Schalko, Braunschlag, in Frage stellte.

Es musste schon ein echter Hammer her, um zumindest die veröffentlichte Meinung zu drehen, die bislang wegen des schmaleren Budgets für Wrabetz wenig Mitleid zeigte. Also musste wohl ein Frontalangriff auf eine Kultursendung her, die internationales Ansehen genießt. Der Ingeborg-Bachmann-Preis war anscheinend ideal dafür – und tatsächlich: Über die Drohung, diese institutionelle Lesung abdrehen zu wollen, empörten sich Schriftsteller im gesamten deutschen Sprachraum.

Wrabetz hatte sich wahrscheinlich vorgestellt, dass die Giftpfeile, die jetzt gegen diese Entscheidung abgeschossen werden, die entscheidenden Poltiker im Parlament treffen würden, um diese öffentlich in Erklärungsnot zu bringen. Das erpresserische Spiel könnte dann mit weiteren beliebten Kultur- und Sportsendungen fortgeführt werden, bis die Koalition weiche Knie bekommen und der Gebührenrefundierung im Nachhinein doch noch zustimmen würde.

Schnaps-Produzent entbindet ORF vom Kulturauftrag

Ein intriganter, aber vielleicht wirksamer Plan, den der ORF-Generaldirektor geschmiedet haben könnte. Und der nun mit einem Schlag von einem Schnaps-Produzenten aus dem Waldviertel zunichte gemacht wurde. Denn am 26. Juni 2013 um 16 Uhr kam es zu einer überraschenden Lösung in der Causa prima des österreichischen Kulturgeschehens: Die Waldviertler „norderd GmbH“ – Produzent der Marke „norderd pure potato vodka“ – wolle den ORF von seinem Kulturauftrag entbinden und böte für das Jahr 2014 die Ausrichtung des Ingeborg-Bachmann-Preises an, hieß es in einer Presseaussendung. Die Höhe der Preisgelder für die Autorinnen und Autoren sowie die Honorare der Jurorinnen und Juroren würden hierbei selbstverständlich beibehalten und sichergestellt werden – die Übertragungsrechte für die Veranstaltung würden kostenlos an engagierte Privatsender vergeben.

Was nun, Herr Wrabetz? Jetzt könnte Ihr erfolgsversprechender Plan, falls sie diesen wirklich verfolgten, um die Politiker unter Druck zu setzen, zu einer b’soffenen G’schicht‘ werden.

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