Klopapierkunst im Parlament soll ästhetische Wertschätzungen in Frage stellen

Seit einigen Monaten schmückt ein sonderbares “Kunstwerk” aus Toilettenpapier die Säulenhalle des Parlaments. Auf der Internetseite des Parlaments brüstete man sich anlassbezogen im April 2013 mit der “zeitgenössischen Kunst”, die im Parlament präsentiert werde. Und ausgerechnet Nationalratspräsidentin Barbara Prammer ließ es sich nicht nehmen, das Toilettenwerk des Schweizer Künstlers Heiri Häfliger im Zuge der Ausstellung “Spacing” persönlich zu eröffnen.

Wenig begeistert zeigte sich die freiheitliche Kultursprecherin Heidemarie Unterreiner, die eine Anfrage einbrachte und Aufklärung forderte, wer für die Auswahl dieses Kunstwerks verantwortlich sei und ob Kosten für das Parlament entstanden sind.

“Infragestellung von bestehenden ästhetischen Wertschätzungen”

Die Beantwortung ist mittlerweile eingelangt und bietet tiefe Einblicke in Prammers künstlerisches Weltbild. Prammer beruft sich auf Karola Kraus, die Direktorin des “Museums Moderner Kunst Stiftung Ludwig in Wien” (mumok), welche derzeit als Kunstkuratorin des Parlaments fungiert und dafür zuständig ist, Künstler für Ausstellungen vorzuschlagen. In der Anfragebeantwortung streut Prammer Kraus regelrecht Rosen. So heißt es wörtlich:

Als langjährige Beobachterin der internationalen Kunstwelt war und ist es Frau Kraus wichtig, Tendenzen in ihrer Tragweite so früh als möglich zu erkennen. Ihr Ziel ist es, KünsterInnen zu berücksichtigen, deren Arbeiten die Ansätze und das Denken über die Kunst maßgeblich verändern, und die später als Zeitphänomen von anderen KünsterInnen rezipiert werden. Die Infragestellung von bestehenden ästhetischen Wertschätzungen zugunsten einer neuen Sicht- und Herangehensweise sind für sie von entscheidender Bedeutung. So entstehen Ausstellungen, die mit dem Vorherrschenden brechen und sich konsequent neuen Vorgangsweisen zuwenden, was ihres Erachtens aus die Ausstellung von Heiri Häfliger im Parlament zutrifft.

Zwar soll es für Häfliger kein Honorar gegeben haben. Dennoch scheinen die Kosten von 4.754 Euro brutto, welche dem Parlament durch Abholung, Verpackung, Transport, Anlieferung und Hängung der Bilder(?) entstanden sind, überproportional hoch. Wie viele Klopapierrollen hätte das Parlament um dieses Geld anschaffen können, die einen wesentlich sinnvolleren Zweck erfüllt hätten? Häfligers Werk ist jedenfalls noch bis März 2014 zu bestaunen.

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