Kolumbien: Bauernproteste um Koka-Plantagen

Seit März 2013 wehren sich kolumbianische Bauern gegen die vom Militär durchgeführte Zerstörung von illegalen Koka-Pflanzungen. Die Bauern verlangen von der Regierung eine Garantie dafür, dass sie sowohl für die zerstörten Koka-Felder eine Entschädigung erhalten als auch ihnen eine effiziente sowie funktionierende wirtschaftliche Alternative zum Koka-Anbau angeboten wird.

Koka-Anbau als Lebensunterhalt

Immerhin ist Kolumbien weiterhin der größte Kokainproduzent der Welt, über 60.000 Familien verdienen ihren Lebensunterhalt damit und erwirtschaften ca. einen Dollar pro Tag. Die Österreichische Gesellschaft der Freunde Lateinamerikas (ÖGFLA) berichtete darüber in ihrem jüngsten Sondermagazin.

Die Bauern beklagen, sie hätten bisher keine alternativen Anbaumöglichkeiten, die den Koka-Anbau ersetzen könnten, denn die illegalen Koka-Felder sind für viele kolumbianischen Bauern die einzige existierende Einnahmequelle. Die Regierung solle ihnen andere Erwerbsmöglichkeiten aufzeigen. 

16.000 Kleinbauern protestieren in Catatumbo

In der kolumbianischen Region Catatumbo protestieren schon seit mehreren Wochen mehr als 16.000 Kleinbauern. Sie fordern die Regierung auf, die an Venezuela grenzende Region zur Bauernschutzzone (Zona de Reserva Campesina – ZRC) zu erklären. Weiters sollte die Regierung es ihnen ermöglichen, die illegalen Koka-Plantagen schrittweise durch nachhaltige produktive Projekte zu ersetzen, nicht zuletzt beanspruchen sie auch einen Zugang zum staatlichen Gesundheitssystem.

Nicht nur die Polizei kam bei den Protesten zum Einsatz, sondern auch das Militär. Beim Einsatz von Tränengas und Gummigeschossen gegen die Demonstranten kamen bisher vier Menschen ums Leben, und viele wurden verletzt.

Kolumbianische Regierung verhandlungsbereit

Die kolumbianische Regierung zeigt sich willig, Verhandlungen mit den protestierenden Bauern zu führen, jedoch stellen sich die Bauern quer und setzen weiterhin auf Proteste und Straßenblockaden, die die Zugange zu etlichen Städten abriegeln.

Die kolumbianische Regierung unter Juan Manuel Santos fordert die Bauernorganisationen auf, den Streik und die Straßenblockaden zu beenden, denn es gebe keinen Grund, diese Proteste weiterzuführen. Sie anerkenne zwar, dass die Proteste bis zu einem bestimmten Punkt gerechtfertigt seien, jedoch werde sich die kolumbianische Regierung nicht unter Druck setzen lassen und es auch nicht zulassen, dass andere Menschen in ihren Rechten beschnitten werden. Genau das passiert aber durch die Straßenblockaden laufend, es sei daher eine Verletzung der Menschenrechte, solche Straßenblockaden aufrecht zu erhalten.

Vermittlung durch Landwirtschaftsminister kam nicht zustande

Staatspräsident Santos reagierte auf den Widerstand der letzten Wochen, indem er in der vergangenen Woche seinen Landwirtschaftsminister Francisco Estupinán in die Konfliktregion schickte. Dieser sollte den Bauern das von der Regierung initiierte Koka-Substitutionsprogramm und dessen Vorteile erneut erläutern. Dieses geplante Treffen fand jedoch nicht statt, da die Bauern nicht einverstanden waren, dass die Regierungsdelegation weiterhin auf der Teilnahme des Militärs bei der Zusammenkunft beharrte.

Laut Angaben des Fernsehsenders Telesur habe die kolumbianische Regierung weiterhin Interesse, Verhandlungsgespräche zu führen, die zu einer gemeinsamen Lösung der konkreten Problematik und damit zur Überwindung der Krise in der Region führen sollten. Dazu verlangt die Regierung jedoch von den Bauern, dass sie die Straßenblockaden aufheben und den Protesten ein Ende bereiten. 

Sogar die Vereinten Nationen versuchen, eine Alternative zum Kokain-Anbau in Kolumbien anzubieten. Die UNODC (United Nations Office on Drugs and Crime) bietet zum Beispiel ein Substitutionsprogramm zum Drogenanbau an. Umschulungen der kolumbianischen Bauern vom Drogen- zum Kakao-Anbau werden gefördert und unterstützt. 

Österreich produziert in Kolumbien Schokolade

Auch Österreich zeigt sich diesbezüglich aktiv, immerhin wird in Kolumbien mit österreichischem Geld Schokolade erzeugt. Das Endprodukt, Chocolates Anori, wird mit rot-weiß-rotem Emblem und der Aufschrift “Austria” verkauft.

Das Sondermagazin Kolumbien-Peru der ÖGFLA berichtet darüber, wie sich Österreich aktiv beteiligt, und beschreibt, wie in jenem Gebäude, in dem jetzt die UNODC untergebracht ist, früher das Korli-Kartell residierte, das mit Kokain seine Geschäfte machte. Heute wird in der Nähe von Bogotá Kakao statt Koka angebaut und unter anderen nach Österreich geliefert. Circa 10.000 Tonnen werden jährlich vom renommierten österreichischen Schokoladehersteller Zotter abgenommen. Circa 15 Prozent des UNODC-Budgets von 30 Millonen Euro müssen übrigens immer noch für Sicherheitsbelange ausgegeben werden. 755.000 Euro trägt Österreich zu diesem Projekt in Kolumbien bei.

Der Sinn der gewährten Unterstützung liegt hauptsächlich darin, den Bauern eine passende Umsetzung des Substitutionsprogramms vom Drogenzum Kakao-Anbau zu ermöglichen und ihnen eine legale Möglichkeit zu bieten, ihren Lebensunterhalt zu erwirtschaftenLetztendlich profitieren alle davon. Denn wenn die Koka-Plantagen abgeschafft oder zumindest stark  reduziert werden, dann hat auch unsere Gesellschaft etwas davon. Immerhin ist der illegale Koka-Anbau Kolumbiens nicht nur verantwortlich für die Verbreitung der Drogen im lateinamerikanischen Raum, sondern auch bei uns in Europa.

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