Öko-Stadt Güssing funktioniert nur mit Millionen-Förderung

Das Märchen der Öko-Stadt Güssing hat ein tragisches Ende. Der Ort, der auf Grund seiner Energie-Autarkie weltweit gefeiert wurde, muss seine Energieunabhängigkeit wohl aufgeben, nachdem das Biomasse-Kraftwerk mit Passiva von 5,97 Millionen Euro insolvent ist. Der Stolz der Öko-Stadt wurde im Jahr 2000 als Forschungsanlage gegründet. Als die hohen EU-Förderungen des Ziel-1-Gebietes aber wegfielen, schlitterte das Unternehmen in hohe Schulden.

Als Ursache für die Pleite nannten die Schuldner ausbleibende Förderungen. Das zuständige Finanzamt habe zuletzt entschieden, dass ab dem Jahr 2011 die Forschungsprämie nicht mehr ausbezahlt werde. Dadurch sei ein Zuschuss in der Höhe von 630.000 Euro für die beiden letzten Jahre nicht mehr zu lukrieren gewesen. Des Weiteren habe die Hausbank der Schuldner die Kredite fällig gestellt, weshalb keine Liquidität gegeben sei, hieß es in einer Pressemitteilung. Der KSV1870 teilte in seiner Aussendung mit, dass nun ein Sanierungsverfahren mit Eigenverantwortung beim Landesgericht Eisenstadt beantragt wurde. Der Sanierungsplanvorschlag lautet auf eine Quote von 30 Prozent, zahlbar binnen zwei Jahren.

Die Mehrheitsgesellschafterin Care Beteiligungsverwaltung GmbH will versuchen, die notwendigen finanziellen Mittel für den Fortbetrieb und die Sanierungsplanquote aufzubringen. Die Forderungen der Gläubiger können bis 23. August 2013 über den KSV1870 geltend gemacht werden.

Umweltminister machte Energieschwindel mit

Unzensuriert.at hat schon im Februar 2012 auf den Energieschwindel im südburgenländischen Güssing aufmerksam gemacht. Anlass waren Aussagen von Umweltminister Nikolas Berlakovich (ÖVP), einem gebürtigen Burgenländer, der „Güssing als Synonym für Energieunabhängigkeit“ bezeichnete, und der Besuch von Arnold Schwarzenegger in der Öko-Stadt, der vor einer versammelten Medienschar euphorisch verkündete: „Die Welt muss Güssing werden!“

Keine glanzvolle Öko-Metropole

Es war alles mehr Schein als Sein, sagen die Experten. Würde Österreich tatsächlich wie Güssing, hätten wir einen Staatsbankrott. Autor Markus Groll hat die Geschichte vom energieunabhängigen Städtchen in sein Buch „Die 50 größten Energiespar-Lügen: Die gängigsten Irrtümer rund um Strom, Sprit und Heizen“ aufgenommen. Sein Urteil: Die glanzvolle Öko-Metropole sei kaum weniger von Fremdenergie abhängig wie die meisten anderen Gemeinden. Ihr Selbstversorgungsgrad betrage nur noch 51 Prozent, seit die Biodiesel-Erzeugung 2006 wegen Unfinanzierbarkeit in Konkurs gegangen ist. Wenn man bedenke, dass der Großteil der Energie nicht auf örtlichen Rohstoffen fuße, sondern mit Holz aus dem ganzen Bezirk erzeugt werde, schrumpfe die Eigenversorgung auf 31 Prozent.

Schwarzenegger als prominenter Botschafter

In Summe investierten die Burgenländer bisher rund 70 Millionen Euro in ihr Autarkieprojekt. Eine Summe, die mit jährlich etwa 13 Millionen Euro Umsatz nie zurückverdient werden kann. Mit dem Ex-Gouverneur aus dem grün angehauchten Kalifornien, Arnold Schwarzenegger, gibt es trotz aller Unkenrufe einen prominenten Botschafter für das Güssinger Modell. Der Standard zitiert ihn am 21. Juni 2011: „Mein Heimatland und meine angenommene Heimat Kalifornien sind globale Helden im Bereich der erneuerbaren Energie. In Güssing hat die selbst auferlegte Verpflichtung, alle benötigte Energie selber zu produzieren, zu einem Wirtschaftswunder geführt und zahlreiche Jobs geschaffen.“ Wenn es dumm läuft mit dem Sanierungsplan, könnten viele Menschen nun aber auf der Straße stehen.

Guten Willen kann man den Güssinger Energiepionieren nicht absprechen. Schon 1990 beschloss der Gemeinderat den hundertprozentigen Ausstieg aus fossilen Energieträgern. Reinhard Koch sollte es richten und erwies sich als genialer Fundraiser in Sachen EU-Förderungen. Innerhalb von zehn Jahren konnten Fernwärmenetze, eine Biodieselanlage und ein Biomassekraftwerk errichtet werden. Jetzt stellt sich heraus, dass die vermeintliche Energieautarkie von Beginn an lediglich eine rechnerische war.

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