Entführt Lindner ein Stronach-Mandat zur ÖVP?

Beobachter des Teams Stronach schließen schon seit Wochen Wetten ab, wann der erste Mandatar nach der Nationalratswahl diese Gruppierung mit einem Nationalratssitz in der Tasche wieder verlassen wird. Zu unterschiedlich ist der ideologische und persönliche Hintergrund des Politpersonals, das sich Stronach aus allen Ecken und Enden zusammengesammelt hat. Vom in der internationalen Wirtschaft so gefragten Teambuilding ist jedenfalls weit und breit keine Spur. Die große Zahl an ehemaligen „Systemgünstlingen“ macht die Sache zusätzlich kompliziert.

Mit der Kurzzeitkandidatin und Ex-ORF-Generaldirektorin Monika Lindner hat nun jedoch bereits vor dem Wahlgang am 29.September die erste Spitzenrepräsentantin wieder die Flucht ergriffen. Als Nummer drei auf der Bundewahlliste gehörte die ehemalige ÖVP-Sympathisantin Lindner zum engsten Kandidatenkreis von Stronach. Dass sie jetzt bereits nach drei Tagen das Weite sucht, ist eine schwere Niederlage für den Milliardär aus Kanada.

Ex-ÖVPlerin könnte trotzdem Nationalrätin werden

Über die Gründe der Kurzzeitkandidatur von Lindner wird jedenfalls bereits heftig spekuliert. Formaler Grund ist ein Interview des übereifrigen Stronach-Klubobmanns Robert Lugar, der Lindners „Insiderwissen“ aus ORF, Raffeisen und dem Umfeld von Erwin Pröll gegenüber Medien angepriesen hatte. Kenner Lindners und des „System Erwin Pröll“ schließen aber nicht aus, dass aus dem Umfeld des niederösterreichischen ÖVP-Landeshauptmanns der bisherigen Parteigängerin Lindner „gut zugeredet“ worden ist. Lindner hatte ihre Karriereschritte im letzten Jahrzehnt immerhin der ÖVP und dem ihr nahestehenden Raffeisenkonzern zu verdanken.

Nach dem geltenden Wahlrecht wird es für das Team Stronach und die „Leider-nein-Kandidatin“ Lindner jedenfalls kompliziert. Lindner kann vor der Wahl am 29. September gar nicht mehr von der Kandidatenliste gestrichen werden, selbst wenn sie das möchte. Vielmehr steht Lindner zur Wahl und kann bei entsprechender Unterstützung des Wählers auch in den Nationalrat einziehen. Erst nach der geschlagenen Wahl könnte sie ein erzieltes Mandat nicht annehmen. Lindner könnte aber auch eine gängige Praxis wählen, wie sie ihre Kurzzeitkollegen im derzeit bestehenden Klub des Team Stronach bereits praktiziert haben: Sie behält das Mandat und macht sich auf die Suche nach einem anderen Klub. So könnte Lindner etwa dem ÖVP-Klub beitreten und so mit „Leihstimmen“ von Stronach ihre schwarze politische Heimat unterstützen. Insider schließen nicht aus, dass dies die – vielleicht sogar mit Mentor Erwin Pröll abgesprochene – Mission war.

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