Okto-TV als kurioses Wiener „Bereicherungsmedium“

Wem das Programm des ORF zu langweilig, die Werbeunterbrechungen in den Privatsendern zu nervig, PayTV zu teuer ist, der könnte auf die Idee kommen, selbst einmal Sendungen zu gestalten, gar selbst „Fernsehen machen“. Diese Idee hatte die rot-grüne Wiener Stadtregierung schon 2005 und so wurde Okto-TV im Rahmen eines Projekts ins Leben gerufen und vom Verein zur Gründung und zum Betrieb offener Fernsehkanäle in Wien im Jahr 2005 gestartet. Nach einer neunmonatigen Aufbauperiode ging der Kanal am 28. November desselben Jahres um 20 Uhr mit der Sendung Afrika-TV an die Öffentlichkeit. Natürlich gab es bei der Gründung Diskussionen, nachdem einige SP-Granden den TV-Sender gleich mit politischen Funktionären besetzen wollten.

Parteipolitische Ideologie im Okto-TV

„Es war ein Kampf, bis dieser Sender wirklich parteipolitisch frei war“, meinte Christof Chorherr gegenüber der Presse. Das kommt wohl daher, dass der Wiener Gemeinderat, mit den Stimmen von Rot und Grün, 2006 die Erhöhung der Wiener Landesabgabe der Rundfunkgebühr beschlossen hatte und in weiterer Folge jährlich ca 1 Million Euro über den Wiener Kulturförderungsbeitrag an den Sender Okto-TV flossen. Nach jahrelangen Bemühungen gelang es Okto zu seinem 7. Geburtstag, auch digital-terrestrisch verbreitet zu werden (DVB-T). Los ging s einmal mehr mit Afrika-TV – jener Sendung, mit der Okto im November 2005 die Geschichte des Community Fernsehens in Österreich eingeläutet hatte.

Und da der Sender als Kommunikationsplattform für Wien gedacht ist, kann jeder, der mitmachen will und ein Sendungskonzept für eine serielle Produktion über einen Zeitraum von circa einem halben Jahr vorlegen kann, nach Absolvierung des Basis-Workshops und der Produktion einer „Nullnummer“ produzieren. Eigenen Angaben zufolge versteht sich Okto als Plattform für Kulturschaffende, Vereine, Initiativen und Einzelpersonen, die ihre eigenen Programme gestalten und über Okto mediale Präsenz erlangen können. Okto ist ein TV-Sender, bei dem eben nicht nur Profis Fernsehen machen, sondern auch andere engagierte Menschen, die ihre Anliegen medial kommunizieren wollen. Okto versteht sein Programm als Ergänzung zum öffentlich-rechtlichen und privat-kommerziellen Fernsehen.

Wie wird Okto finanziert?

Administriert wurden die Förderungen an den Verein OF bzw. die CTV-GmbH von der Magistratsabteilung 13 – Bildung und außerschulische Jugendbetreuung. Mit Beschluss des Gemeinderates vom 17. Dezember 2004 wurde Okto für die Durchführung seiner Aktivitäten in den Jahren 2004 und 2005 eine Förderung in der von 1.634.000 Euro genehmigt. Hiebei entfiel auf das Jahr 2004 ein Betrag in der Höhe von 654.000 Euro und seit 2005 fließen jährlich 980.000 Euro.

Als weiteres Standbein haben sich diverse gewerbliche Tätigkeiten etabliert. So produzierte Okto in Zusammenarbeit mit Universal Austria die DVD eines Musikkonzertes einer bekannten österreichischen Sängerin. Außerdem wird überlegt, die im Haus produzierte Abwicklungssoftware gewerblich nutzbar zu machen. Es handelt sich dabei um ein speziell auf die Bedürfnisse des Okto-Betriebs zugeschnittene Software zur TV-Abwicklung. Ziel der Geschäftsführung ist auf Weisung des Vorstandes und der Stadt Wien, die Maximalausweitung dieser gewerblichen Tätigkeiten. Ein weiterer Bereich, aus dem Gelder fließen, ist jener der EU-Förderungen. Es gibt Sendungen, die über EU-Mittel gefördert werden (Europa und der Stier, Vitam in C). Diese Sendungen kommen über Kostenersätze, Expertenhonorare, etc. auch direkt in den Genuss der EU-Mittel.

Eine kulturelle „Bereicherung“

Die Produzenten sind bei Okto-TV Amateure in der Informationsaufbereitung, aber Experten in der Sache selbst, denn subjektives Erleben steht im Vordergrund. Und so kommt es, dass man Zeuge des „Mulatschag TV“ wird, wo drittklassige Punk- und Rockbands sich artgerecht gebärden und sogar der ehemalige „Drahdiwaberl“Frontmann Stephan Weber sich noch einmal im trauten Kreise seiner frivolen Anhängerschaft ein Stelldichein gibt. Diskussionssendungen sind selten kopftuchoder akzentfrei, die Sendereihe „Ex-Yu“ in serbokroatischer Sprache kommt gänzlich ohne Untertitel aus und zahlreiche türkische Beiträge ebenso

Seitens Okto-TV meint man, dass nur wenige Zielgruppen, wie eben erwünscht, den Sender als Medium für sich entdeckten, es liege vielmehr am Sender, auf Minderheiten zuzugehen. Demzufolge werden eben genau jene Inhalte ins Angebot aufgenommen, die nach Ansicht der beteiligten Akteure im Vorstand und der Okto-Führungsebene „ergänzend“ wirken. Von Seiten der Okto-Führung ist damit ein eindeutig „korrigierender“ Eingriff in die Medienlandschaft nach weltanschaulichen Gesichtspunkten gemeint;, wiewohl es kein Geheimnis mehr ist, dass Sendungsvorschläge ein strenges „Abnahmesystem“ (manche nennen es Zensur) durchlaufen und zunehmend die fehlende Demokratie innerhalb des Senders bekrittelt wird.

Also, wie eingangs angeregt, sollten Sie einer Minderheit in Österreich angehören und zufällig in das Weltbild von Okto-TV – eines Peter Huemer oder Armin Turnherr – passen und ein subjektives Darstellungs- oder Mitteilungsbedürfnis haben – sie brauchen nicht einmal der deutschen Sprache mächtig sein –  dann rufen sie nicht an – Okto ruft sie an! 

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