Nach Urteil in Kärnten: Kommt Türkisch als zweite Amtssprache für Favoriten?

18. Oktober 2013 - 9:00

Ein Urteil des Verwaltungsgerichtshofes (VwGH) hat nun einen Streit um die Amtssprache Slowenisch im Kärntner Ort St. Kanzian beendet. Der VwGH kam zum Schluss, dass Bescheide der Gemeinde auch in slowenischer Sprache verfasst werden müssen, wenn der Adressat in einem Gebiet mit zweisprachiger Ortstafel wohnt – und damit der Volksgruppenanteil bei zehn Prozent liegt. Das Kärntner Beispiel könnte auch in Wien Schule machen, etwa wenn türkische Bewohner in Favoriten Beschwerde beim Verwaltungsgerichtshof einbringen.

So unmöglich erscheint das gar nicht. Auch im Bezirk Völkermarkt in Kärnten begann der Rechtsstreit damit, dass 15 Bürger sich weigerten, Zahlungsbescheiden der Gemeinde in deutscher Sprache nachzukommen. Stattdessen zahlten sie die anfallenden Abgaben wie Wasser- und Kanalgebühren auf ein Treuhandkonto ein. Daraufhin leitete die Gemeinde ein Exekutionsverfahren ein und sicherte sich Pfandrechte auf die Häuser und Grundstücke. Die Verwaltungsrichter entschieden, dass die Abgaben nie wirksam festgesetzt wurden und somit nicht vollstreckbar waren und gaben den streitbaren Bürgern Recht, die auf die Amtssprache Slowenisch pochten.

Türkischsprachige Bezirkseinfahrten in Wien

Was nun, wenn die türkischsprachige Bevölkerung in Favoriten oder Ottakring auf die gleiche Idee kommt wie die slowenisch-sprachigen Bürger in Kärnten? Zehn Prozent Bevölkerungsanteil erreichen die Türken auch in anderen Bezirken Wiens locker. So weit weg, wie manche vielleicht glauben, ist die zweite Amtssprache in Wien gar nicht. Mit ihr könnten auch zweisprachige Ortstafeln Einzug halten und die Bezirkseinfahrten schmücken. Ein gewohntes Bild in Kärnten – bald schon Wirklichkeit in Wien?  

Wollen Sie täglich per Mail über die neuesten Artikel informiert werden? Hier können Sie sich anmelden.
Gefällt Ihnen unsere Berichterstattung? Dann unterstützen Sie uns mit einer Spende:
IBAN: AT581420020010863865, BIC: EASYATW1, Unzensuriert.at
SPENDEN
Loading...
in

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.