Falter-Artikel vernadert Justizwachbeamte

Jüngst bejubelte das Wiener Lokalzeitung Der Falter (42/13), dass Polizeischüler einen ehemaligen Justizbeamten in ihren Reihen zur Anzeige brachten, der sich über Missstände im Strafvollzug ausließ. Dies führte letztlich dazu, dass man ihn aus dem Exekutivdienst warf

Vom Hendeldieb bis zum Mörder

Die Wiener Justizanstalt Josefstadt ist personell unterbesetzt und notorisch überbelegt. Die Beamten versehen ihren Dienst sehr korrekt, couragiert und engagiert – eine der häufigst gestellten Fragen an die Insassen ist: „Verstehen Sie Deutsch?“ Justizbeamte sind sich aber dessen bewusst, dass sie nicht zum Strafen, sondern zum Aufpassen das sind.

Die Palette der Insassen reicht vom „Hendeldieb“ bis zum Mörder. Die Justizanstalt Josefstadt beherbergt Untersuchungshäftlinge, geistig abnorme Rechtsbrecher genauso wie Insassen mit langjährigen Haftstrafen, man findet elegante Betrüger neben Vergewaltigern und Totschlägern. Aber eines haben alle Insassen gemeinsam: Zeit, viel Zeit. Diese Zeit kann man nützen. Am wenigsten, um Ausbruchsversuche zu planen, am häufigsten jedoch, sich zu überlegen, wie man gewisse Vorschriften umgeht, an Unerlaubtes herankommt, oder wie man am besten Beamte piesackt.

„Die Erste kassierst immer.“

Übergriffe auf Beamte kommen vor, öfter und brutaler als man sich dies außerhalb der Mauern vorzustellen vermag. „Die Erste kassierst immer“, ist eine gängige, weil zum Beruf gehörende Erkenntnis der Beamten. Bislang hat noch kein Insasse zuvor angekündigt, wann er dem „Justizler“ einen Arm zu brechen gedenkt oder seinen Frust mit aus einfachsten Mitteln gebastelten Hieb-, Stich,- oder Schlagwaffen in das Fleisch des Uniformierten übertragen will. Im Falle des Falles geht es von Null auf Hundert Schlag auf Schlag. Sie nehmen es hin, die Beamten – sie versuchen sich so gut zu schützen wie möglich, dabei jedoch auch den menschenwürdigen Umgang im Gefängnis aufrecht zu erhalten. 

Unbestritten soll bleiben, dass Misshandlungen und unkorrektes Verhalten Insassen gegenüber vermieden, abgestellt und geahndet werden muss. Dass der Falter jedoch in seinem Artikel hämisch über Justizbeamte herzieht, sich sichtlich daran ergötzt, dass man wieder einmal ein vermeintlich „schwarzes Schaf“ denunziert und an den Pranger gestellt hat, ist schlichtweg unnotwendig.

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