Graf-Buch: “Der Nahkampf dominiert – es wird hart ausgeteilt und auch getroffen”

Vor dem Parlament hat sich am 22. Oktober ein Häufchen Linksfaschisten eingefunden, um gegen das Buch des Dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf zu demonstrieren. Drinnen im Hohen Haus platzte die Säulenhalle aus allen Nähten, weil das journalistische Werk von Graf mit dem Titel “Abgerechnet wird zum Schluss” schon im Vorfeld für große Aufmerksamkeit sorgte und Hunderte Interessierte zur Buchpräsentation lockte.

Die kleine Demo-Runde war dann auch gleich Thema des Laudators des Abends, Andreas Unterberger. Der ehemalige Chefredakteur der Presse und Wiener Zeitung, der heute einen erfolgreichen Internet-Blog betreibt, bemerkte abschätzig: “Wenn man auf der Straße gegen ein Buch demonstriert, ist das ein schlimmer Kulturverfall und es widerspricht meinem Gerechtigkeitssinn. Solche Gruppen stehen selbst nicht auf dem Boden des Pluralismus und der Demokratie.” Unterberger, der angab, das Buch von der ersten bis zur letzten Seite gelesen zu haben, befand sich – nach eigenen Worten – in einem Dilemma: “Hätte ich gewusst, dass ich im Buch vorkomme, hätte ich die Aufgabe des Laudators nicht übernommen.”

Politik und Justiz stärker trennen

In seiner Expertise wandelte Unterberger dann auch zwischen Lob und Kritik am Autor Graf, er sprach von einer “fulminanten Abrechnung”, wo der Nahkampf dominieren würde, hart ausgeteilt und auch getroffen wird. Wie Graf würde auch er sich wünschen, dass die Politik und die Justiz stärker getrennt wären (“Wozu braucht ein Staatsanwalt einen Pressesprecher?”) und er zeigte sich geschockt über die Intrigen, die es laut Buchbericht im Hohen Haus gebe: “Zum Glück bin ich kein Politiker, der in diesem Klima arbeiten muss.” Nicht gefallen habe ihm, dass im Buch auch im Privatleben von Nationalratspräsidentin Barbara Prammer gestöbert wurde, einen Seitenhieb auf die SPÖ-Mandatarin konnte er sich ob des Desasters rund um den Parlamentsumbau aber nicht ersparen: “Das Dach der Säulenhalle ist noch nicht eingestürzt – das ist schon eine Leistung des Parlaments.”

Kein politischer Schlusspunkt

Martin Graf stellte an diesem Tag nicht nur sein Buch vor, sondern er nahm auch Abschied vom Parlament. Es soll ja kein Abschied für immer sein, wie Graf betonte, sondern eine Verschnaufpause für seine Familie und seine Partei, der FPÖ, die diese Pause nach dem medialen Trommelfeuer der vergangenen Jahre verdient hätten. Hier knüpfte FPÖ-Parteichef HC Strache in seiner Rede gleich an. Er sagte, dass dies noch lange nicht der politische Schlusspunkt für Martin Graf sei: “Ich bin mir sicher, dass das eine oder andere Kapitel noch aufgeschlagen wird.” Strache skizzierte Graf als einen Mann, der die politische Sauberkeit im Land vorgelebt hat und der keinem Konflikt aus dem Weg geht. Graf sei ein Politiker mit Ecken und Kanten und standfest  – Charaktereigenschaften, die er an Martin Graf immer geschätzt hat. Strache fragte sich aber auch, wann dieser Mann eigentlich schläft, denn seine Aktivitäten im politischen, kulturellen und sportlichen Bereich seien enorm. Graf habe mit seinem Rückzug “wahre Größe” gezeigt. Er habe es so ermöglicht, dass die Partei sich im Wahlkampf nicht mit absurden Angriffen beschäftigen musste, sondern die wirklichen Probleme des Landes ansprechen konnte. Zum Schluss richtete Strache an Graf noch den Appell, bei allem Zorn, den er nachvollziehen könne, seinen Feinden auch einmal zu verzeihen.

Porträt von Wiesinger, Eisberge von Ditsch

Sehr berührt zeigte sich Graf von Geschenken zweier Künstler. Odin Wiesinger, dem Graf Ausstellungen in Chile und Paraguay ermöglichte, übergab dem scheidenden Dritten Nationalratspräsidenten ein wunderschönes Porträt. Und HC Strache stellte sich mit einem Gemälde von Helmut Ditsch, einem Jugendfreund von Graf, der heute zu den gefragtesten Malern der Welt zählt, ein.

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