Mitglieder der „Goldenen Morgenröte“ erschossen

Noch vor ein paar Wochen war der mediale Aufschrei in Europa über die Ermordung eines linken Musikers in Griechenland unüberhörbar. Auch heimische Medien wie der ORF oder die Kronen Zeitung betitelten den Anschlag und vermuteten von Vornherein Mitglieder der rechtsextremen griechischen Partei „Goldene Morgenröte“ dahinter. Bewiesen wurde ein direkter Zusammenhang zwischen der Partei und dem Täter bis jetzt nicht, die griechische Justiz ließ dennoch mehrere hohe Parteifunktionäre, darunter der Parteichef, verhaften.

Nun geschah das, wovor viele innerhalb der „Goldenen Morgenröte“ bereits gewarnt hatten. Bei einem Racheakt wurden zwei Parteimitglieder, 22 und 29 Jahre alt, am helllichten Tag vor einer Parteizentrale in einem Athener Vorort erschossen, ein drittes Mitglied, ein Familienvater, schwebt in Lebensgefahr. Die Medien aber spielen diesen Mordanschlag herunter und sprechen von „Schüssen vor Parteibüro“ oder der „Ermordung zweier Mitglieder der Neonazi-Partei“. Der ORF merkt bedauernd an, dass sich die „Neonazis“ nun „als Opfer darstellen“ können – ganz so als wäre die Partei der Profiteur des auf ihre Mitglieder verübten Attentats. Etwas anders sieht man das wohl in Griechenland selbst, wo eine Zeitung treffend titelte: „12 Kugeln gegen die Demokratie“.

Täter vermutlich aus der linksradikalen Szene

Die Polizei spricht von einem „professionell ausgeübten Anschlag“. Die Täter fuhren auf einem Motorrad und feuerten mit automatischen Waffen auf die ahnungslosen Opfer. Griechische Experten gehen davon aus, dass Mitglieder linker Untergrundorganisationen, die sich selbst als „Stadtguerilla“ oder „Sekte der Revolutionäre“ bezeichnen, hinter dem Anschlag stecken könnten.

Was die europäischen Medien in diesem Zusammenhang verschweigen, ist Griechenlands enormes Problem mit der linksradikalen Szene. Die gewalttätigen Ausschreitungen bei Protesten sind da noch harmlos. Autonome linke Gruppierungen haben in den vergangenen Jahren in Griechenland wiederholt Sprengstoffanschläge verübt und auch Polizisten erschossen. Rund ein Drittel der Griechen stimmte bei den letzten Parlamentswahlen für eine linksextreme Kraft. Das Bündnis Syriza wurde mit 27 Prozent nur knapp auf Platz zwei verwiesen, sogar die streng stalinistisch orientierten Kommunisten erhielten sechs Prozent.

Die angeblich „hunderten rechtsextremen und fremdenfeindlichen“ Ausschreitungen werden von der griechischen Regierung dagegen gerne thematisiert. Die aktuellen Anschläge dürften die Hexenjagd auf die „Goldene Morgenröte“ etwas bremsen, denn zuletzt stand ein Verbot der Partei im Raum, sie sei in Wirklichkeit eine „kriminelle Organisation“, so die Argumentation. In Hinblick auf die nächsten Wahlen sicherlich ein taktisches Manöver der Regierenden, da die „Goldene Morgenröte“ laut Umfragen zur drittstärksten Kraft im Land werden könnte.

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