„Fachjury“ lässt tief blicken: „Inländerfreundlich“ ist Unwort des Jahres

Immer weniger Nikolos in den Kindergärten, Kruzifix-Verbote in Schulen – das Ende des Abendlandes ist nicht mehr weit. Das zeigt sich auch in der Sprache: In Deutschland schaffte es „Babo“ zum Jugendwort des Jahres. Der Ausdruck stammt aus dem Türkischen und ist mit Boss oder Anführer zu übersetzen. Nicht viel besser lief die Wahl in Österreich: Hier wurde 2013 „whatsappen“ als Jugendwort bestimmt – entstanden durch die rasante Verbreitung der Internet-App „Whatsapp“, die das SMS bei Jugendlichen weitgehend verdrängt hat.

„Babo“ und „whatsappen“ – zwei Fremdwörter wurden im deutschsprachigen Raum also zu den Jugendwörtern des Jahres gewählt. „Leider geil“ war 2012, das haben auch noch Personen im fortgeschrittenen Alter von über 30 verstanden. Die türkischen und englischen Bezeichnungen wohl nicht mehr. Womit die Frage erlaubt sein muss: Wer bestimmt so einen Schwachsinn? In Österreich macht das eine Fachjury unter der Leitung von Professor Rudolf Muhr von der Forschungsstelle Österreichisches Deutsch der Universität Graz.

„Fachjury“ zeigt ihre politische Präferenzen

Dieser Professor Muhr hat mit seinen Mitstreitern „Frankschämen“ zum Wort des Jahres 2013 gekürt (in Anlehnung an die Medienauftritte von Frank Stronach) und – man staune – „Inländerfreundlich“ zum Unwort des Jahres. Begründet wurde die Auswahl so: Dieses an sich positive Wort wäre im Nationalratswahlkampf von einer wahlwerbenden Partei verwendet worden. Im gegenwärtigen politischen Zusammenhang wäre damit jedoch das Gegenteil, nämlich die verhüllte Bedeutung „ausländerfeindlich“ gemeint.

Das Wort „Inländerfreundlich“ sollte man diesem Argument zufolge gar nicht mehr in den Mund nehmen. Es ist demnach ein Schimpfwort. Die Wahl sagt wohl weniger über die deutsche Sprache und ihre Verwendung aus als über die politischen Präferenzen der „Fachjury“.

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