Türkei könnte bald über waffenfähiges Plutonium verfügen

Vergangenes Jahr im Mai unterschrieben der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe und sein türkisches Pendant  Recep Tayyip Erdogan einen Vertrag, welcher Japan zur Lieferung eines Atomkraftwerks samt dazugehöriger Technologie an die Türkei verpflichtete. Damit würde mit japanischem Know-How das zweite in Planung befindliche türkische Atomkraftwerk realisiert werden. Bei einer Japan-Reise Anfang Jänner unterstrich Erdogan wieder die Notwendigkeit dieses Projektes, da die Ratifizierung des Vertrages durch das japanische Parlament noch ausständig ist.

Nun veröffentlichten aber zunächst japanische und dann auch türkische Medien ein prekäres Detail dieses Atomvertrages: Auf Drängen der Türken soll eine Passage aufgenommen worden sein, in der die Türkei das Recht erhalten soll, verbrauchtes Uran anzureichern, um daraus Plutonium zu gewinnen. Genau dieses Plutonium erfüllt aber die technischen Voraussetzungen für den Bau einer Atombombe, es kann aber natürlich auch für die friedliche Energienutzung eingesetzt werden.

Der japanische Außenminister Fumio Kishida äußerte sich umgehend zu diesen Bedenken und erklärte, Japan werde eine solche Nutzung nie erlauben. Ob das von Seiten der Japaner aber tatsächlich kontrolliert werden kann, bleibt zu bezweifeln. Auch der türkische Energieminister Taner Yildiz wimmelte die Spekulationen um eine mögliche Anreicherung von Uran ab und erklärte: „Wir haben keine Absicht, Uranium anzureichern. Das käme nur in Frage, wenn in der Türkei selbst Uranium gefördert würde, und auch dann nur zu wirtschaftlichen Zwecken“.

Türkei drängte auf Streichung der Einschränkung von Urananreicherung

Gegen die Aussagen des japanischen Außenministers und des türkischen Energieministers sprechen aber die Hinweise, wonach die türkischen Verhandler auf die Streichung der entsprechenden Verbote zur Urananreicherung pochten. Ministerpräsident Abe soll schlussendlich zugestimmt haben, um das angeschlagenen Image der japanischen Atomindustrie nach der Fukushima-Katastrophe durch den Vertrag wieder aufzubessern.

Nun stellen sich japanische wie türkische Medien die Frage, warum die Türkei unbedingt eine Option für die Anreicherung von Uran haben wollte. Die türkische Regierung selbst hat immer betont, keine Atomwaffen anzustreben. Dagegen spricht der liberale Standpunkt der Türkei, wenn es um das Atomprogramm im Iran geht. Hier will man dem Iran durchaus eine „friedliche Nutzung“ von Atomenergie und auch begrenzte Urananreicherung zusprechen.

Experten spekulieren nun über die Hintergründe. Einerseits könnte es sein, dass die Türkei eine stärkere Machtposition gegen das atomar bewaffnete Israel haben möchte. Zuletzt gab es ja intensive diplomatische Spannungen zwischen den zwei Ländern. Andererseits könnte eine mögliche atomare Bewaffnung des Iran die anderen regionalen Großmächte, wie eben die Türkei aber auch Saudi-Arabien, dazu drängen, ein eigenes Atomwaffenarsenal aufzubauen. Das Streben nach einer eigenen Atombombe würde jedenfalls gut in die aktuelle Politik des islamisch-konservativen Premiers Erdogan und seiner Vorstellung von einer Türkei als Weltmacht passen.

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