Linke Kriegsberichterstattung über Randale gegen Akademikerball

Wien, Innere Stadt, 18 Uhr 52 Minuten: Rund 30 Demonstranten in schwarzer Einheitsgewandung ziehen sich scheinbar vom Krawall am Stock-Im-Eisen-Platz in die Singerstraße zurück. Wenige Augenblicke später stürmen sie Richtung Stephansplatz auf die etwa 20 Polizisten los, die zwischen Aida und Haas-Haus für Ordnung sorgen sollen. Gleichzeitig und schlagartig greift ein zweites Rudel vermummter Chaoten vom Stephansplatz aus die zahlenmäßig stark unterlegenen Polizisten an. Die behalten trotz allem die Nerven, sichern nach zwei Richtungen und weichen langsam Richtung Haas-Haus aus, wo sie durch nachrückende Kräfte verstärkt werden.

Warum liest sich diese Schilderung wie ein Frontbericht? Vielleicht auch deshalb, weil sich die marodierenden Schläger taktisch “richtig” verhalten. Sie nutzen Schwächen im Dispositiv der Polizei geschickt aus. Sie greifen gleichzeitig an verschiedenen Orten an oder konzentrieren sich auf kleinere Polizeigruppen, die sie einzukesseln trachten. Ihr “Waffenarsenal” finden sie vor Ort, Mülleimer werden gerollt oder geworfen, Flaschen fliegen auf die Einsatzkräfte und die Polizeiinspektion Am Hof wird gar mit Pflastersteinen angegriffen. Mitgenommen haben sie hingegen Bengalische Feuer – wörtlich brandgefährlich – und schwere Knallkörper, deren dunkler Donner durch die Innenstadt hallt. Fahnen- und Plakatstangen werden zu Schlagstöcken.

Polizeiwache Am Hof “entglast”

Im Bereich zwischen Stephansplatz, über den Graben und bis zum Platz Am Hof zieht der Mob eine wahre Spur der Verwüstung. Zahllose Juwelierläden und auch die Bank Austria am Stephansplatz werden brutal angegriffen. Gott sei Dank hält das Sicherheitsglas, wenn auch von zahllosen Sprüngen durchzogen. Besonders hat der Juwelier Wagner Ecke Graben/Tuchlauben zu leiden. Gleich mehrere Auslagenscheiben müssen später getauscht werden. Aber auch das traditionsreiche Restaurant “Zum schwarzen Kameel” wird Ziel der Angriffe. Den Höhepunkt stellt freilich der bereits erwähnte Angriff auf die Polizeiwache Am Hof dar. Tags drauf ist der Haupteingang völlig “entglast”, der Nebeneingang schwer beschädigt. Ein auf Abdeckfolie geklebter Zettel warnt vor Gefahr durch Glassplitter.

Es geht den “Antifaschisten” nicht nur um Krawall und Sachbeschädigung. Ihr strategisches Ziel ist es, nach Ende der beiden genehmigten Demonstrationen durch Blockaden und Gewalt die Ballbesucher am Betreten der Hofburg zu hindern. Die beiden Demonstrationszüge, der eine von der Universität her und der andere von Wien-Mitte aus, haben das gleiche Ziel: den Stephansplatz. Dort enden die beiden Demos “offiziell” kurz nach 19 Uhr. Bis jetzt ist es weitgehend ruhig abgelaufen.

Amateursender betreiben “Kriegsberichterstattung”

Auch Radio und Internetfernsehen sind dabei. Der Amateursender Radio Orange 94.00 MHz berichtet schon stundenlang über den “antifaschistischen” Großkampf gegen den Akademikerball. Überforderte Moderatoren schalten live zu Reporterdarstellern mit Handy vor Ort. Unterbrochen wird diese Art der “Kriegsberichtserstattung” durch etwas, das manche als Musik bezeichnen könnten. Dazu Tiefschürfendes im Interview: Wolfgang Purtscheller ist wieder da. Ein Mäderl mit Piepsmausstimme darf das Aufklärergenie in Sachen “rechts” interviewen. Der Brigittenauer, laut Wikipedia in Mexico-City und Brixen residierend, hat schon bessere Tage gesehen. In den neunziger Jahren wurde er regelmäßig in Hauptstrommedien interviewt, durfte staatlich bezahlt seine Weisheiten an Schulen weitergeben und verfasste Bücher, die über die “rechte Szene” aufzuklären vorgaben, dabei aber bewusst konservative Strömungen und neofaschistische Gemeinplätze in einen Topf werfend. 2014 darf er sich auf Radio Orange äußern, über CV und Burschenschaften, die internationale Verschwörung rechter Parteien und den Akademikerball gewissermaßen als jährliches Hochamt samt Prozession dieser Verschwörung. Offenbar sieht auch der Dilettantensender Radio Orange ein, dass Purtschellers Ausführungen nicht der große Reißer sind. So wird das Interview mehrfach unterbrochen, um Laienreporter “on Air” zu schalten, die stets versichern, die Stimmung bei der Demo sei gerade besonders gut.

Ähnlich professionell geht es via Youtube beim linken Experimentierfernsehen von wientv.org zu. Wenn die Kamera nicht gerade zu schnell schwenkt und auch die Akkus nicht leer sind, dann kann hier in Ton und Bild das linke Auge aufs Geschehen geworfen werden. Da es dunkel ist und der Beleuchter keinen adäquaten Scheinwerfer hat, fischt man bei wientv buchstäblich eher im Trüben.

Täter werden von Berichterstattern “übersehen”

Ab dem offiziellen Ende der Kundgebungen beginnt die “Blockadephase”, wie Radio Orange offiziös meldet. Nachdem die Demonstrationen genügend Personal an die Sperrzone herangeführt haben, startet nun der Versuch, Ballbesucher einzuschüchtern und in ihrer Bewegungsfreiheit zu behindern. Dabei bleibt es nicht. Mehrere Ballgäste, auch Damen, wurden verprügelt, andere sind in ihren Fahrzeugen eingekesselt. Über Gewalt und Sachbeschädigung durch Demonstranten gehen Radio Orange und wientv gelassen hinweg. Man habe gerade nicht gesehen, wer das Geschäft X beschädigt hat, etc. Die Polizei ist leider nicht immer zur Stelle und aufgrund eines operativen Fehlers gelingt es dem Mob, schon gegen 18.40 Uhr auf den Albertinaplatz vorzudringen. Eine Absperrung war im entscheidenden Moment unbemannt. Die Koordination der einzelnen Demonstrantengruppen erfolgt via Kurzmeldungsdienst Twitter. Hier geben Organisationen wie die “Rosa Antifa Wien” Status-Updates. Dazu gibt es noch eine eigene Webseite mit Tipps zum Packen des Demorucksacks und einer rechtlichen Belehrung.

Wer den Verlauf dieser Ereignisse vor Ort und via Radio und Internet miterlebt hat, den können die Exzesse gegen Personen und Sachen nicht überraschen: Die friedlichen Demos bis 19 Uhr sind das Zahnfleisch, das den Zähnen des “schwarzen Blocks” und anderer Gewalttäter Stütze und Halt gibt. Die Stimmung war vom Start weg von Hass erfüllt. Im Gegensatz zu letztem Jahr war diesmal das Verhalten der Polizei professionell, wenn auch nicht fehlerlos.

Lamentieren über Medienberichte

Am Samstag, 25. Jänner, nachmittags beklagen Linke via Twitter die Medienwahrnehmung der Ereignisse. Es werde zu viel über eingeschlagene Fensterscheiben berichtet und die “Polizeigewalt” totgeschwiegen. Schwierig, als Linker dieser Tage zufrieden zu sein.

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