Darabos: „Die SPÖ hat sich verirrt und Klima nahm die falsche Autobahnausfahrt“

In der Tageszeitung Die Presse macht sich der Bundesgeschäftsführer der SPÖ und schmählich gescheiterte Verteidigungsminister Norbert Darabos Gedanken über seine Partei. Mit seinen Skandalen als Minister hat Darabos zwar selbst dazu beigetragen, dass die Sozialdemokratie laufend Wähler verliert, dennoch gibt der Parteimanager für das Scheitern der SPÖ-Politik anderen die Schuld: „Unter Viktor Klima hat sich die SPÖ verirrt, dieser hat die falsche Autobahnausfahrt genommen.“ Eugen Freunds missglücktes Interview zum Arbeitereinkommen hält Darabos dagegen für „erfrischend“.

Es mutet seltsam an, dass gerade ein Mann, der in seiner Zeit als Verteidigungsminister vor allem durch Postenschacher und der Edmund-Entacher-Affäre auffiel und deshalb auch unrühmlich abdanken musste, über den Wählerschwund der SPÖ Bilanz zieht. In der Tageszeitung Die Presse klingt das so:

Für den kleinen Mann hat sich die SPÖ immer eingesetzt. Trotzdem verliert sie kontinuierlich Wähler – vor allem an die FPÖ.
Das Problem ist, dass sich die Kernklientel der SPÖ nicht mehr ausreichend vertreten gefühlt hat.

Haben Sie eine Erklärung dafür?
Aus meiner Sicht hat sich die Sozialdemokratie Ende der Neunziger verirrt, mit dem Dritten Weg.

Ist das eine Kritik am damaligen Parteichef und Kanzler Viktor Klima, der diesen Dritten Weg, einen Mittelweg zwischen Sozialismus und Kapitalismus, von Tony Blair abgekupfert hat?
Das ist keine Kritik an Klima persönlich. Aber Tony Blair, Gerhard Schröder und auch Viktor Klima haben damals die falsche Autobahnausfahrt genommen. Da hat die Sozialdemokratie ein Problem mit ihrer Identität bekommen.

Darabos: „Freunds Schätzungen gar nicht so weit weg“

Das neue Parteiprogramm, mit dessen Fertigstellung noch heuer im Herbst zu rechnen sei, würde u.a. von Partei-Oldie Karl Blecha, der durch die Verstrickung in die Lucona-Affäre Bekanntheit erlangte, verfasst. Schwer vorstellbar, dass die querdenkerische Teilorganisation der SPÖ, die Sektion 8 am Alsergrund in Wien, mit dem Ergebnis zufrieden sein wird. Sie vertritt die These, dass der Erstauftritt von Eugen Freund als EU-Spitzenkandidat der SPÖ kein PR-Unfall war, sondern „die logische Folge eines anhaltenden Demokratiedefizits“ innerhalb der SPÖ.

Für Darabos dagegen war es kein Problem, als Freund das durchschnittliche Einkommen eines Arbeiters mit 3000 Euro beziffert hat: „So weit war er mit dieser Schätzung gar nicht weg. Wenn man sich anschaut, was ein Metallarbeiter verdient, dann hat es sogar gepasst“, sagt Darabos in der Presse. Und auf die Bemerkung des Journalisten, dass ein Arbeiter im Schnitt 2000 Euro brutto im Monat verdiene und die Schätzung von Freund daher weit weg liege, meinte Darabos: „Es ist ein bisschen mehr, wenn man das Medianeinkommen, also das mittlere Einkommen, berechnet. Aber okay: Die Geschichte war sicher nicht förderlich. Er hätte auch sagen können: Ich weiß es nicht. Oder: Ich habe mich geirrt.“

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