Schwarzer Ex-Minister ging mit Wirtschaftsbank in Konkurs

Peter Krauland war kein Unbekannter, als er im Jahr 1958 die Nicolai-Bank kaufte und sie zur Allgemeinen Wirtschaftsbank (AWB) umorganisierte. Krauland ist eigentlich der Urvater der politischen Korruption auf ÖVP-Seite in der Zweiten Republik. Als Bundesminister für Vermögenssicherung und Wirtschaftsplanung hatte Krauland im Zuge von höchst umstrittenen Restitutionsverfahren in den Jahren 1945 bis 1949 zahlreiche Korruptionsfälle zu verantworten. Nach Bekanntwerden des Skandals und der Aufhebung seiner Abgeordneten-Immunität verließ Krauland die ÖVP, blieb aber „wilder“ Abgeordneter. Er wurde zwar wegen Amtsmissbrauchs 1954 durch die Strafgerichte verurteilt, aber auf Grundlage eines Amnestiegesetzes aus dem Jahre 1950 gleichzeitig begnadigt.

Ab 1958 wurde Krauland dann „Banker“ und hatte sich mit seinen (Ex-)Parteifreunden aus den Reihen der schwarzen Reichshälfte längst wieder informell verständigt. Einer seiner Mitstreiter, den er aus den ersten Tagen der Zweiten Republik kannte, war Viktor Müllner, ÖVP-Landeshauptmannstellvertreter aus Niederösterreich.

Allgemeine Wirtschaftsbank ging mit 653,8 Millionen Schilling Passiva in Konkurs

Rund 16 Jahre werkte Krauland als Bank-Chef der AWB, an der er einen 74 Prozent-Anteil hielt. Für Krauland ein gutes Geschäft, denn die AWB bezahlte ihren Aktionären viele Jahre bis zu zehn Prozent Zinsen. Aber diese Last konnte die AWB auf Dauer nicht stemmen. Als die Bank mit Sitz am Wiener Stephansplatz am 25. November 1974 für immer ihre Pforten schließen musste, gab es Passiva von 653,8 Millionen Schilling. Der damalige Finanzminister Hannes Androsch (SPÖ) sprang mit Staatshaftungen ein. Kraulands Mitstreiter Viktor Müllner, Ende der sechziger Jahre selbst wegen einer Parteispendenaffäre zu Gunsten der ÖVP Niederösterreich verurteilt, wollte auf Grundlage dieser Haftung als „kleiner Sparer“ dann noch 17 Millionen Schilling aus der Abwicklung der AWB.

Diese Abwicklung dauerte immerhin bis zum August 1989 und brachte eine Quote von 26,7 Prozent. Banken-Chef Peter Krauland selbst wurde wegen betrügerischer Krida verurteilt, blieb aber wegen Haftuntauglichkeit abermals vom Vollzug verschont.

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