Die Bauernfängerei des Knecht Rupprechter

Dieser Mann hat immer schon gemeint, dass er zu etwas Höherem berufen ist. Andreas Hofer, der bäuerliche Sozialrevolutionär Michael Gaismaier, Bruno Kreisky und die legendären Landeshauptleute Alois Grauß und Eduard Wallnöfer spuken in seinem Kopf als Vorbilder herum. Nachdem Andrä Rupprechter im Gefolge seiner markanten Schwurformel anlässlich seiner Angelobung als Landwirtschaftsminister im Dezember des Vorjahres nur mit der Brüskierung Ungarns und einigen bizarren Sprüchen in der Öffentlichkeit präsent war, hat ihn jetzt „Der Standard“ mit einem großen Interview am vergangenen Freitag ins Scheinwerferlicht der Parteipolitik gelockt. Und der Neo-Minister ließ sich gerne locken. Mit einem ideologisch bemerkenswerten Sammelsurium an Aussagen, die alle möglichen Ressorts und Fachgebiete betreffen, nur nicht sein eigenes, positioniert er sich erkennbarerweise als personelle Alternative zu seinem dahinsiechenden Obmann Michael Spindelegger.

Gastkommentar von Christian Zeitz

Für biedere ÖVP-Verzweiflungswähler hatte die Eidesbekräftigung „vor dem heiligen Herzen Jesu“ wie ein Befreiungsschlag in der Finsternis der zerbröselnden schwarzen Systempartei gewirkt. Doch ein Bekenntnis zum „Nachhaltigkeitsprinzip der Katholischen Soziallehre“ (wo findet sich dieses eigentlich?) macht noch keinen Katholiken; und ein paar markige ruppig-rurale Sager machen noch keinen Konservativen. Beides darf man von einem Mann nicht erwarten, der auf die Frage nach seiner „katholischen Ehe“ erklärt: Wir „sind kirchlich verheiratet, haben zwei Kinder – das ist alles“. Wenn das alles sein soll, weiß der Herr Minister nicht, was die Kirche unter einem Sakrament und die christliche Gesellschaftslehre unter dem Prinzip der Familie als „Keimzelle der Gemeinschaft“ versteht. Genau deswegen fühlt er sich aber offenbar berufen, einen „massiven“ Ausbau des außerfamiliären „Kinderbetreuungssystems“ zu fordern, das „bei uns . rückständig“ sei. Dies wäre konsequenterweise wohl auch notwendig, wenn Rupprechters Wunsch nach einem Adoptionsrecht homosexueller Paare für fremde Kinder umgesetzt werden würde. „Wo Kinder sich wohlfühlen, ist Familie“, weiß er sich mit Sophie Karmasin einig. So gesehen sollte man wohl auch eine gut geführte Kinderkrippe, die von einigen LGBT-Personen betrieben wird, als „Familie“ bezeichnen.

Minister Rupprechter im Einklang mit der Grünen Ulrike Lunacek

Rupprecher steht damit im harmonischen Einklang mit dem von der erdrückenden Mehrheit des EU-Parlaments vor wenigen Wochen angenommenen „Lunacek-Berichts“, der die Agenda des gesellschaftspolitischen Transformationsprojektes der EU in Richtung Genderismus und Homosexualisierung definiert. Als einziges Merkmal, dass ihn von den Grünen unterscheiden würde, nennt der selbsternannte ÖVP-Erneuerer den Umstand, dass die Grünen seinerzeit die EU „als Moloch verunglimpft“ hätten. Nein, Herr Minister, also das kann man von der EU ganz gewiss nicht sagen, dass sie ein „Moloch“ wäre! Etwas derartiges wäre Ihnen ganz gewiss aufgefallen – als Sie jahrelang als wohlbestallte System-Marionette der Brüsseler Ratsbürokratie dienten.

Die Ansichten des Neo-Politikers sind nicht verwunderlich, wenn man zur Kenntnis nimmt, dass er sich stolz zu seinen jugendlichen Wurzeln als Trotzkist und Anarchist bekennt. Bereits im Dezember hatte er deponiert, dass er eine Aussöhnung der Bürgerlichen mit dem Marxismus herbeisehne. Auf diesem Hintergrund muss man wohl auch seine historischen Einsichten verstehen. Seine flapsige Distanzierung von Kanzler Engelbert Dollfuß, immerhin das erste NS-Opfer in Österreich, mag nur einige um historische Gerechtigkeit bemühte Historiker sowie vielleicht ein paar seiner Kollegen im ÖVP-Klub verstören. Sein geharnischter Angriff auf Feldmarschall Radetzky hingegen wird nicht nur alle diejenigen ärgern, die beim Neujahrskonzert zum gleichnamigen Marsch mitklatschen. Rupprechter hat den revolutionären Wunsch, die Bronze-Statue des österreichischen Helden vor seinem Ministerium abreißen und durch eine Skulptur der „Mutter Erde“ ersetzen zu lassen. Er legt allerdings nicht offen, ob er den „Mutter Erde“-Kult für einen Anwendungsfall des „Nachhaltigkeitsprinzips der Katholischen Soziallehre“ hält. Insbesondere aber bleibt er die Beantwortung der Frage schuldig, ob er sich bei der Umsetzung des Projektes für die weibliche Gottheit der polynesisch-maorischen Papatunanuku oder diejenige der aztekisch-inkarischen Pachamama entscheiden würde.

Neuausrichtung der ÖVP ist im vollen Gang

Sei´s drum: „Die Neuausrichtung der Partei ist im vollen Gang. Und ich werde mich mit einem offenen Ansatz einbringen.“ Dies ist in der ÖVP auch auf adäquate Weise angenommen worden. Am Tag nach dem Interview hat sich ÖVP-Generalsekretär Blümel mit der halbherzigen Aussage zu Wort gemeldet, dass ein „allgemeines Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Partnerschaften .. kein Thema“ sei. Der Rest ist offenbar gegessen. Spindelegger hofft, mit dieser Pflichtübung seines Generals den Wutpegel seiner leidensfähigen Kernwählerschaft wieder herabgemindert zu haben. Doch die Stimmung in seiner Partei sagt etwas anderes. Auch, wenn „Bauernfängerei“ in die Ressortzuständigkeit des Landwirtschaftsministers gehören sollte: Die Doppelstrategie, hier für die linksliberale Presse, dort für die konservative Kernklientel, geht nicht einmal mehr für die Verzweiflungswähler durch. Und ein Parteichef, der einen sich verselbständigen politischen Alleinunterhalter nicht in der Sekunde seiner esoterisch-obskurantistischen Darbietungen aus dem Sattel holt, ist offenbar nicht Herr im eigenen Haus.

Inzwischen gießt „Der Standard“ plan- und erwartungsgemäß seine Häme über die ÖVP aus. Denn die schüchterne Blümel-Distanzierung und die entsetzten Reaktionen von einigen verdienten Traditionalisten der ÖVP-Peripherie, wie des ehemaligen Staatssekretärs Kukacka, wurden vom rosa Links-Blatt unverzüglich zum Anlaß genommen, um die Volkspartei als rückwärtsgerichtete Looser-Partie von unbelehrbaren, verstockten Katholo-Fundis am Nasenring vorzuführen. In einem Aufwaschen wird nach der Homo-Adoption auch gleich die Beseitigung des die Schwulen „diskriminierenden“ unterschiedlichen „Schutzalters“ gefordert. Ein Naivling, der nicht sofort gesehen hat, dass deratiges der Zweck des Rupprechter-Interviews war. Aber der Landwirtschaftsminister gibt sich uneinsichtig und legt mit weiteren Provokationen nach, denn er sieht sich offenbar als Kulturkämpfer für den nächsten Links-Ruck der ÖVP. Deshalb muss die seinerzeitige pathetische Schwurformel als gotteslästerlicher Etikettenschwindel des EU-Knechts Rupprechter begriffen werden, der das gesamte Programm der kontinentalen Gesellschaftstransformation mitträgt. Wie lange kann es sich die ÖVP leisten, dass ein Fachminister seine öffentliche Plattform für zerstörerische ideologische Projekte nutzt?

Mag. Christian Zeitz ist wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Angewandte Politische Ökonomie

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