Tageszeitung „Der Standard“ muss Personalkosten drastisch reduzieren

Nun erfasst die Krise der Printmedien auch Österreich. Allen voran ist die linke Tageszeitung Der Standard betroffen. Aktuell hat Der Standard 390 Mitarbeiter, nun muss er rund zehn Prozent von ihnen kündigen. Diese Kündigungswelle soll alle Bereiche, das heißt sowohl die Redaktion, als auch Marketing und Produktion umfassen. Namen von Mitarbeitern, die zur Kündigung angemeldet werden, sind noch nicht bekannt. Standard-Geschäftsführer Wolfgang Bergmann und Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid basteln derzeit an einem Sozialplan zur Abschichtung des überzähligen Personals.

Gleichzeitig sollen langjährige Redakteure in einen neuen, für die Tageszeitung rund 25 Prozent günstigeren Kollektivvertrag wechseln. Hauptgrund der Standard-Krise ist das Scheitern des vor Jahren breit angelegten Internet-Auftritts. Damals setzte man ganz auf die Totalvermarktung der Standard-Inhalte via Internet. Finanziell hat sich das jedoch keineswegs gerechnet. „Die gesamte Branche investiert viel in Online, aber keine Zeitung verdient Geld damit, sondern verschleudert ihre guten Inhalte aus der Papierzeitung zum Nulltarif – wir leiden unter dem Zerplatzen einer fetten Online-Blase“, schildert eine Standard-Mitarbeiterin den Oberösterreichischen Nachrichten.

Kostendruck nagt am Gesamtauftritt des Standard

Der Standard ist durch die stetig steigenden Sach- und Personalkosten in eine doppelte Zwickmühle geraten, die offensichtlich nur noch durch tiefe Einschnitte beim Personal aufgefangen werden kann. „Bei den Sachkosten kann der hohe Fixkostenanteil wie Miete, Druck und Vertrieb nur bedingt weiter gesenkt werden“, erklärt Standard-Geschäftsführer Wolfgang Bergmann die personellen Einschnitte. Zusätzlich wird über eine Verringerung der Seitenanzahl und eine radikale Reduzierung der Beilagen diskutiert. Auch denkt man über eine Erhöhung des Verkaufspreises nach. Dies könnte aber wiederum einen weiteren Rückgang der Verkaufszahlen zur Folge haben.

Standard-Redakteure verbreiten in internen Sitzungen jedenfalls schon „Endzeitstimmung“ und haben bereits das Schicksal des ideologischen „Schwesternblattes“ Münchner Abendzeitung (AZ) vor Augen, das nach jahrelangen Rückzugsgefechten und dem Verkauf aller Vermögenswerte nun sogar vor dem Konkursrichter gelandet ist. Ein Zukunftsszenario, das wohl auch für den Standard bei weiterhin negativer Entwicklung am Ende der Geschichte stehen könnte.

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