Fremdsprachen verdrängen zusehends traditionelle Dialekte

Geht man in Wien durch die Straßen, ist es mittlerweile schon üblich, kaum ein deutsches Wort, geschweige denn ein Gespräch im Wiener Dialekt zu hören. Aber auch im Westen Österreichs werden typische und charakteristische Sprachwendungen wie das Tiroler „sch“ oder das Vorarlberger „gsi“ immer seltener im Gespräch verwendet. Dieser Trend hin zum langsamen Aussterben der regionalen Dialekte ist seit Jahren zu beobachten. Generell wird den Dialekten in Österreich eine düstere Zukunft prognostiziert. Durch ihr Aussterben geht ein wichtiger Teil der österreichischen Identität zunehmend verloren.

Migration als Hauptursache für Dialektverlust

Im Westen ist es vor allem der Einfluss des „Hochdeutschen“ aus Film und Fernsehen, welcher Wörter wie „gsi“ zunehmend durch „gewesen“ ersetzt, oder „Servus“ durch „Tschüss“ oder „Ciao“. Im Osten und im Donauraum hingegen sind es vorrangig Migranten aus Ex-Jugoslawien und der Türkei, die für einen Verlust bzw. eine starke Vermischung der Sprache sorgen. Die Einwandererdialekte vermischen sich gerade in Großstädten schnell mit den lokalen Dialekten und führen so zu neuen Formen der Sprache. In Wien etwa verwenden neben Einwandererkindern auch einheimische Jugendliche vermehrt keine Artikel und Präpositionen mehr, da es diese in der türkischen Sprache nicht gibt. Das führt dann etwa zu Sätzen wie „Gemma Billa“, statt „Gehen wir zum Billa“.

Initiativen für Dialekte und die Schweiz als Vorbilder

Dass es auch anders geht und der Trend des Verlusts der Dialekte aufgehalten werden kann, zeigen zahlreiche Initiativen im Internet und unsere deutschsprachigen Nachbarländer. Die Menschen haben Angst und fühlen Unbehagen, wenn es um den Verlust eines der wichtigsten kulturellen Merkmale einer Nation, der Sprache, geht. Deshalb gibt es zum Beispiel die Vorarlberger Facebook-Initiative „Rettet das Gsi“, oder auch die Gruppe „Rettet unsere österreichischen Dialekte“. In Bayern geht man sogar noch weiter und bietet eigene „Bairisch-Kurse“ für Kinder an, um den bayerischen Dialekt zu erhalten. Denn das „Pfiat di“ und das „Griaß di“ sind in München schon genau so gefährdet wie in Linz, Graz oder Wien.

Die Schweiz geht auch in dieser Causa in Europa am weitesten. Hier hat man im Kanton Zürich im Jahr 2012 die Schweizer Mundart als alleinige Unterrichtssprache im Kindergarten eingeführt. Für die gesamte Vielfalt an Dialekten im Alpenraum gibt es mittlerweile auch einen eigenen „Dialektatlas“ samt Hörproben, zu finden unter http://www.argealp.org/atlas/.

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