Brüssel: Hans-Peter Martin tritt ab

Der umstrittene parteilose EU-Abgeordnete Hans-Peter Martin kandidiert nicht mehr für die kommende EU-Wahl. Er gab dies nun auch offiziell den Medien bekannt. Seine Presseaussendung, in der er heftige Kritik an der FPÖ übt, klingt wie jene, eines schlechten Verlierers.

Der Sog hin zur „rechtsradikalen FPÖ“ sei erschreckend stark und werde sogar von einigen Medien begünstigt. Dass die Medien die Freiheitlichen – nicht zuletzt wegen des EU-Abgeordneten Andreas Mölzer – heftig kritisieren, dürfte Martin wohl entgangen sein. Er berichtet außerdem, dass er bei seiner „wochenlangen Info-Tour quer durch Österreich“ eine „wohlig-schaurige Sehnsucht“ nach einem neuen „Heil-Hitler“-Gefühl erleben musste.

Martin war sein eigener Gegner

Drei Mal sei es ihm bei den Wahlen zum Europäischen Parlament gelungen, die FPÖ im Interesse Österreichs in die Schranken zu weisen – 1999 als parteifreier Spitzenkandidat für die SPÖ und zwei Mal, 2004 und 2009, als gänzlich unabhängiger Kandidat mit vollem persönlichen Risiko. Unerwähnt blieb dabei, dass er sich jedes Mal mit seinen Partei-Angehörigen zerstritten hatte, was ihm nun die Wähler wohl weder vergessen, noch verziehen haben dürften. Auch mit Spesen- und Abrechnungsskandalen ist er in Verbindung gebracht worden. So gesehen war Martin sein eigener Gegner.

Hans-Peter Martin tritt nun ab. Viel hat er in der EU jedenfalls nicht weitergebracht. Lediglich jeweils kurz vor EU-Wahlkämpfen tauchte er mit Enthüllungen auf, die er über seine Amtszeit angesammelt haben dürfte. Anstatt sich mit der EU inhaltlich zu beschäftigen, war er wohl eher damit beschäftigt, sich auf die Lauer zu legen. So bleibt die Erinnerung an einen Mann, der moralisch hohe Ansprüche hatte, denen er selbst nicht immer gerecht werden konnte.

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