ORF-Propaganda sichtbar gemacht: Report im Kampfmodus gegen die FPÖ

Der gestrige ORF-Report war ein Lehrstück politischer Propaganda. Das Innenpolitik-Magazin, dem sein investigativer Charakter längst abhanden gekommen ist, hat sich als Ersatz eine klare politische Ausrichtung verpasst. Der Sendungsverantwortliche Robert Wiesner hat die Redaktion entsprechend zusammen gestellt. Der 61-Jährige zählt zum alten sozialistischen Kader, aus dem zahlreiche Journalisten in den ORF fanden. Auf dem Weg machte er Station als Pressesprecher dreier sozialistischer Außenminister und als Redakteur der Arbeiterzeitung.

Die gestrige Sendung begann mit einem Beitrag über die FPÖ. Schon in der Moderation fielen die rein journalistischer Interpretation entspringenden Formulierungen eines „Machtkampfs“ und eines „nicht ganz freiwillig“ Platz machenden Andreas Mölzer. Ziel der achtminütigen Geschichte ist es, die FPÖ in Lager zu dividieren, von denen das „deutschnationale“ nun sauer auf den Parteichef sei.

Christdemokrat als Beweis für enttäuschte Deutschnationale

Obwohl die Beweisführung spektakulär misslingt, wird die Behauptung, die wohl auch der Arbeitstitel der Geschichte ist, bis zum Ende aufrecht erhalten. Ernst Johann Schwarz und Alexander Sattmann – langjährig geeichte Report-Redakteure – lassen nichts unversucht, doch das Ergebnis ist ernüchternd. Daher werden die ersten drei Minuten mit dem x-ten Aufguss der Alaba-Geschichte zugebracht, bestritten von burgenländischen FP-Funktionären, Ex-Justizminister Harald Ofner sowie zusammengeschnittenen Strache-Zitaten aus dem letzten ZiB2-Interview. Keiner sagt auch nur ansatzweise etwas Empörendes, aber der Bericht erzeugt den Eindruck, irgendetwas müsse wohl faul sein in der FPÖ.

Und dann kommt auch schon die „Perle“ des Beitrags: Ein freier Journalist von Mölzers Wochenzeitung Zur Zeit, bekennt, er werde wegen Mölzers Abgang „als Christdemokrat“ bei der EU-Wahl nun nicht die FPÖ wählen, sondern Ewald Stadlers Rekos. Na bumm! Wenn der FPÖ alle Christdemokraten als dem deutschnationalen Lager abhandenkommen sollten, könnte das bei der Wahl glatt noch eine zweite Stimme kosten.

Notorischer FPÖ-Hasser Stadler als Parteiexperte

Der Zwischenstand ist aus ORF-Sicht zwar weiter mäßig, aber der gute Mann hat „Stadler“ gesagt, und da springt der Erwähnte auch schon ins Kameralicht. Der Report hat kein Problem damit, den von blindem Hass auf die Freiheitlichen zerfressenen Polit-Separatisten, der sich demnächst wegen des Verdachts der Nötigung von FPÖ-Obmann HC Strache vor Gericht verantworten muss (Es gilt die Unschuldsvermutung), als Experten zur aktuellen Lage der FPÖ zu befragen.

Danach werden wieder alle Mitglieder von Studentenverbindungen zu „Burschenschaftern“. Dabei ist nicht einmal Mölzer selbst einer. Und Generalsekretär Herbert Kickl, so verkündet uns der ORF-Sprecher, „arbeitet schon länger an der Demontage deutschnationaler Elemente in der FPÖ“. Der widerspricht im Interview zwar klar und untermauert dies durch Fakten wie die Zusammensetzung des Parteivorstands, doch die öffentlich-rechtliche Wahrheit ist zu diesem Zeitpunkt bereits verkündet.

Ein selbstgebastelter Reim als humoristische Einlage

Jetzt schnell ein paar Archivbilder traditioneller Veranstaltungen von Studentenverbindungen, zu denen ganz zufällig auch das Wort „Wehrsportübungen“ fällt, und ein durchaus korrekter, aber für den Beitrag insgesamt belangloser Satz der Einschätzung von Harald Ofner. Jetzt geht den Herren Schwarz und Sattmann zum Kernthema des Berichts – „Deutschnationale rebellieren gegen die FPÖ-Spitze“ – endgültig der Saft aus. Wir stehen bei Minute sechs, drei Minuten immerhin wurden gefüllt.

Weiter geht’s mit ein paar Betrachtungen zur Werbelinie der FPÖ. Sattmann gefällt sich darin, Kickl einen selbstgebastelten Reim ins Gesicht zu sprechen: „Kickl geht der Schmäh aus – Die Wähler bleiben z’Haus“. Man ahnt, wie sich die Fernsehzuschauer dabei vor Lachen auf die Schenkel schlagen.

Kein Beweis, doch die Behauptung bleibt

In ihrer Not gehen die Beitragsgestalter noch einmal zurück ins Burgenland, denn das dortige Wirtshaus entspricht so schön dem Stammtisch-Klischee, das man für die FPÖ in langen Jahren mühsam gezimmert hat. Was der Dritte Nationalratspräsident Norbert Hofer dort über die Rolle der Burschenschafter in der FPÖ sagt, ist – obwohl ruhig und sachlich vorgetragen – für den ORF natürlich nur der „Versuch einer Schadensbegrenzung“.

Conclusio bar jedes Beweises: „Den nationalen Flügel verärgert – erfolgreicher Wahlkampf läuft andersrum – ganz schön dumm!“

Schnabl scheitert im Interview an souveränem Vilimsky

Apropos dumm: Der Beitrag hätte ja nur die Ouvertüre sein sollen zur folgenden Vorführung des FPÖ-EU-Spitzenkandidaten Harald Vilimsky. Doch während dieses Interviews hat sich der Sendungsverantwortliche Robert Wiesner wohl nicht nur einmal so richtig geärgert. Vilimsky ließ die als Fragen getarnten tendenziösen Anwürfe von Moderatorin Susanne Schnabl nicht durchgehen und die Dame recht hilflos wirken. Damit setzte er um, was heute das oberste Ziel von FPÖ-Politikern bei Live-Auftritten im Fernsehen sein muss: die böse Absicht der ORF-Journalisten für die Zuseher – und damit Wähler – sichtbar machen. Robert Wiesner ist übrigens ein brillanter Interviewer und wäre wohl nicht so plump vorgegangen wie Schnabl, aber die Sendung braucht eben ein – naja – hübsches, jedenfalls ein weibliches Gesicht.

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