Royal Bank of Scotland erwartet Milliardenklagen: Chefetage bedient sich selbst

Mit einer Milliardenklage ist die teilverstaatlichte britische Royal Bank of Scotland (RBS) konfrontiert. Eingebracht werden sollen die Klagen von drei ehemaligen Hauptinvestoren der RBS aus der Versicherungsbranche. Konkret möchten die Versicherungsunternehmen Legal & General, Standard Life und die Prudential-Tochter M&G Investment Management eine Milliarde Pfund von der RBS als Schadenersatz.

Die drei Versicherer hatten 2008 gemeinsam ein Investment in die RBS finanziert. Dabei soll es zur fortgesetzten Täuschung der Investoren durch das Bankmanagement der RBS gekommen sein.

Zwölf Milliarden Euro über den Kapitalmarkt eingesammelt

Die RBS hatte im Mai 2008, also kurz vor dem Höhepunkt der Finanzkrise, noch schnell zwölf Milliarden Pfund am Kapitalmarkt eingesammelt. Um an das Geld der Investoren zu kommen, soll die Geschäftslage der Bank stark „geschönt“ worden sein. Hätten die Investoren damals die tatsächliche Lage des Bankinstituts erfahren, hätten sie von einem Investment wohl Abstand genommen. Um eine Pleite der Bank zu verhindern, war die Bank 2008 teilverstaatlicht worden. Durch die RBS-Teilverstaatlichung waren die Investitionen in der Folge wertlos. Noch immer ist die Bank zu 81 Prozent im Besitz einer staatlichen Beteiligungsgesellschaft. Diese Klage belastet die RBS zusätzlich zu den für 2013 eingefahrenen Verlust von mehr als acht Milliarden Pfund.

Britische Regierung verhindert Erhöhung von Boni an das Führungspersonal

Umso erstaunter reagierte die britische Öffentlichkeit, als sich nun das Führungspersonal der Bank selbst erneut kräftige Boni-Erhöhungen genehmigen wollte. Obwohl die Londoner Regierung sonst gegen eine Begrenzung solcher Boni ist, schritt sie hier ein. Denn obgleich die Bank im Jahr 2013 bereits etwa 9 Milliarden Pfund (etwa 11 Milliarden Euro) Verlust gemacht hatte, hatte sich das Führungspersonal der Bank 576 Millionen Pfund (= 700 Millionen Euro) an zusätzlichen Boni ausgezahlt. Einer geplanten erneuten Selbstbedienung der Chefetage für das Jahr 2014 trotz noch höherer Verluste der Bank (2012 waren es rund 6 Milliarden Pfund Verlust) auf Kosten der Steuerzahler schob das britische Finanzministerium nun einen Riegel vor.

Doch das Führungspersonal der RBS wird auch so keinen Hunger leiden. Selbst mit nur leicht erhöhten Boni kann beispielsweise RBS-Vorstandschef Ross McEwan noch mit einem ordentlichen Gehaltspaket rechnen: In diesem Jahr würde er mindestens 1,8 Millionen Britische Pfund verdienen, im kommenden Jahr wären es mindestens 2,3 Millionen Pfund (2,8 Millionen Euro). Das käme immerhin noch einer jährlichen Gehaltserhöhung von mehr als einer halben Million gleich.

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