Buchvorstellung in Innsbruck: Siegfried Steger und die „Puschtra Buibm“

Seit der Nacht auf den 12. Juni 1961 war in Südtirol nichts mehr wie vorher. Strommasten wurden gesprengt, Elektrizitätswerke lahmgelegt. Mehrere junge Burschen Anfang zwanzig schrieben in jenen Tagen Geschichte – und werden für ihre Taten, die sie als Fanal gegen die Diskriminierung der deutschen Bevölkerung empfanden, vom italienischen Staat bis heute verfolgt. Gegen sie gilt bis heute ein Haftbefehl des italienischen Staates.

Siegfried Steger – Jahrgang 1939 – aufgewachsen im Südtiroler Tauferer Ahrntal, war einer von ihnen. Er gehörte in den Jahren 1961 bis 1967 zu jenen beherzten Männern, die der vollkommenen Italianisierung Südtirols nach 1945 nicht tatenlos zusehen wollten. Er trotzte, unterstützt von der heimischen Bevölkerung im Pustertal, in Partisanenmanier Italien Respekt ab. Zuletzt wurden er und weniger als ein halbes Dutzend Getreue von sage und schreibe 25.000 italienischen Soldaten und Carabinieri gejagt.

„Flucht ohne Heimkehr“

Unlängst fanden sich rund 50 Personen am Verbindungshaus der Landsmannschaft Tyrol in Innsbruck ein. Gekommen waren zahlreiche Verbindungsstudenten und etliche Freunde Tirols, insbesondere Südtirols. Anlass für diese Veranstaltung war die Einladung zur Präsentation des Buches „Die Puschtra Buibm – Flucht ohne Heimkehr“ von Siegfried Steger.

Es gab, wie Steger heute bedauert, Blutzoll und Tote auf beiden Seiten. Trotz der erdrückenden Übermacht Italiens konnten sich einige wenige der italienischen Staatsmacht, den Carabinieri und den italienischen Geheimdiensten entziehen. Faschistische Denkmäler wurden gesprengt und italienische Kasernen flogen in die Luft. Die schier unglaublichen Erlebnisse, die damit verbundenen lebensgefährlichen Einsätze und kaum vorstellbaren Strapazen schilderte der Autor in sehr persönlichen und ergreifenden Worten.

Erst die Taten der Pusterer veranlassten Italien zum Umdenken

Besonders interessant ist das lebensnah und unverfälscht geschriebene Buch auch deshalb, weil es nicht nur die „Husarenstücke“ sondern auch das Leben des Autors vor und nach den Kampfhandlungen schildert. Unbestritten ist, dass es die heutige Teilautonomie Südtirols ohne das energische Handeln einiger weniger nicht gäbe. Erst die Anschläge der sechziger Jahre haben der Südtirol-Frage internationales Interesse verschafft und zwangen Italien zu Zugeständnissen, welche dieses demokratische EU-Gründungsmitglied mit entsetzlicher Folter und polizeistaatlichen Mitteln zu unterdrücken versucht hatte.

Steger wurde in Abwesenheit in Italien zu mehrfach lebenslanger Haft verurteilt, baute sich eine neue Zukunft in Bayern auf und lebt heute mit seiner Familie in Nordtirol. Eine Ehrung der offiziellen Politik blieb ihm und seinen Gefährten bis heute verwehrt; dies obwohl der Erfolg seiner Taten mittlerweile unbestritten ist.

Ergreifende Schilderung im Publikum

Im Auditorium anwesend war auch ein Sohn des legendären Freiheitskämpfers Georg (Jörg) Klotz, der in mitreißenden Worten die Ausführungen Stegers unterstrich und mit persönlichen Erlebnissen aus seiner Kindheit untermauerte. Jörg Klotz wurde von einem vom italienischen Geheimdienst gedungenen Mörder im Schlaf angeschossen und flüchtete schwer verletzt über Dreitausender-Berge ins sichere Österreich.

Einzelheiten über den „Tiroler Freiheitskampf“ der 1960er können konkret und ergreifend dem Buch Stegers entnommen werden. Seine Lektüre sei jedem Interessierten ans Herz gelegt und ist auch über die Studentenverbindung bestellbar. Eine gelungene Veranstaltung der Landsmannschaft Tyrol, getreu ihrem Leitspruch „Von Kufstein bis Salurn zum Vaterland“.


Siegfreid Steger: „Die Puschtra Buibm – Flucht ohne Heimkehr“, Bozen: Verlag Edition AROB (www.arturoberhofer.it), 270 Seiten, fester Einband, 27.90 Euro (ISBN 978-88-88396-16-3)
Das Vorwort zu dem Buch hat Hans Karl Peterlini verfasst .
Edition AROB, Drususallee 124, I-39100 Bozen.
Zu bestellen auch über die Akademische Landsmannschaft Tyrol,
Schöpfstraße 21a, 6020 Innsbruck.

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