Schwerer Verdacht: Arbeitete Eugen Freund für mörderischen Tito-Geheimdienst?

Die Kronen Zeitung berichtet heute über einen hochbrisanten Vorwurf gegen den EU-Spitzenkandidaten der SPÖ, Eugen Freund. Er soll, so behauptet ein slowenischer Historiker, in seiner Zeit als Mitarbeiter des Außenministeriums Informationen an den berüchtigten jugoslawischen Geheimdienst UDBA geliefert haben. Freund bezeichnet das als „lächerlich“, doch das Dokument belastet ihn schwer.

Auch Unzensuriert.at liegt dieses Dokument aus dem slowenischen Staatsarchiv vor, auf dem all jene Personen aufgelistet sind, die in Kontakt zu Titos Geheimdienst oder Polizeibehörden standen. Freund wird mit der laufenden Nummer 234.953 geführt. Zwei Details dieses Datensatzes deuten laut dem slowenischen Historiker Roman Leljak darauf hin, dass Freund nicht zufällig auf die Liste geraten ist: die Mitarbeiternummer 0014002-09409 und die Klassifikation des Berufs als „Poklic2“ (Beruf2).

Mitarbeiternummer und Berufsbezeichnung belasten Freund

Zahlen zwischen 14000 bis 14999 sind die zahlenmäßigen Erfassungen von Dossiers und zugleich die Registerzahlen der ständigen Quellen der UDBA. Das waren laut dem CR [=Central-Register] der SDV/UDBA ständige Quellen bzw. ständige Mitarbeiter, Informanten, Reservisten, Quellenzuträger, welche zu ihren Führungsangestellten der Reserveeinheiten der SDV (= Službe Državne varnosti ; Staatssicherheitsdienst )und einem fixen Mitarbeiter der SDV zugeordnet waren. Beruf2 bedeutet, dass als 1. Beruf UDBA-Mitarbeiter gilt. Dabei handelt es sich um keine abgeschöpften Quellenzuträger, sondern um freiwillige Quellenzuträgern bzw. ständige Mitarbeiter. Freunds „Zweitberuf“ wird mit „ausländischer Diplomat“ angegeben.

Freunds Dementi gegenüber der Krone mutet merkwürdig an:  „Ich habe ein absolut reines Gewissen. Noch nie habe ich jemanden getroffen, den ich mir als Agenten nur vorstellen könnte“, wird der SPÖ-Spitzenkandidat zitiert. Als Pressesprecher des damaligen SPÖ-Außenministers Willibald Pahr 1978 zur Zeit des Kalten Krieges erscheint dies nicht sehr lebensnah, waren doch damals die Botschaften insbesondere der kommunistischen Regime, wie es auch Jugoslawien war, von Geheimdienstlern geradezu durchsetzt.

In Slowenien schlägt die Affäre entsprechend hohe Wellen. Das Online-Portal Politikis.si hat die Geschichte prominent auf der Startseite platziert. Auch Österreich sollte massives Interesse an der Aufklärung von Tätigkeiten österreichischer Staatsbürger für die mörderische UDBA haben, denn sie war auch in unserem Land – und hier vor allem in Kärnten – hoch aktiv.

Mörderische Aktivitäten der UDBA in Österreich

Der Geheimdienst verübte von Anbeginn des kommunistischen Jugoslawiens in Südösterreich schwere Grenzverletzungen, welche in Mord oder Menschenraub an antikommunistischen Emigranten aus Jugoslawien endeten. Dazu zählten mehrere Sprengstoffanschläge gegen antikommunistische Kundgebungen und am 17. Februar 1975 die Ermordung des Hauptorganisators der kroatischen Gräber- und Erinnerungspflege für Österreich, des 65-jährigen Nikola Martinović. Martinović war auch einer der Begründer des Bleiburger Ehrenzuges, der jährlich das Totengedenken am Bleiburger Feld in Loibach – nur drei Kilometer von Staatsgrenze zu Jugoslawien entfernt – ausrichtet. Für Jugoslawien eine doppelte Provokation: Erstens, weil dort der Toten der Massaker von Bleiburg gedacht wurde, und zweitens, weil die damals in Jugoslawien streng verbotenen Symbole für ein unabhängiges Kroatien offen gezeigt wurden. Die jugoslawischen Machthaber reagierten schlussendlich mit der Ermordung von Martinović.

Die UDBA war auch für eine Serie von Terroranschlägen während der 1970er Jahre in Kärnten verantwortlich, darunter am 18. September 1979 auf das Rathaus der Stadt Völkermarkt, in dem sich eine Ausstellung über den Kärntner Abwehrkampf befand. Dabei verletzten die beiden slowenischen UDBA-Agenten sich selbst und einen Museumsmitarbeiter schwer. Der Agent Luka Vidmar verlor ein Bein. In die Fassade des Rathauses wurde ein Loch gerissen. Die beiden UDBA-Agenten wurden 1980 zur vier Jahren Haft verurteilt, jedoch ein halbes Jahr später gegen zwei Agenten des österreichischen Bundesheers ausgetauscht.

Anzeige wegen Mordes – Ermittlungen laufen

Auch der aktuelle „Fund“ des SPÖ-Mannes Freund auf der Geheimdienst-Liste ist ein Produkt der Recherche zu einem mutmaßliche UDBA-Verbrechen. Der 27-jährige Student Stepan Crnogorac war 1972 in Österreich entführt und anschließend in Jugoslawien ermordet worden. Auf eine entsprechen Anzeige gegen drei Verdächtige bei der Staatsanwaltschaft Salzburg vor vier Monaten hat Historiker Leljak bis heute keine Antwort erhalten. Darüber sei er „nicht überrascht“, nachdem er den Namen Eugen Freund als Spitzenkandidat der stärksten österreichischen Partei auf der Mitarbeiterliste der UDBA gefunden habe. Die Staatsanwaltschaft Salzburg weist den Vorwurf mangelnder Ermittlungen zurück. Es sei ein Rechtshilfeabkommen an die slowenischen Strafverfolgungsbehörden gerichtet worden, es sei jedoch nicht vorgesehen, den Anzeiger über die getätigten Ermittlungsschritte zu informieren.

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