Familienpartei will „Lebensleistung von Eltern“ honorieren

Das Wegfallen der 5-Prozent- und später auch der Drei-Prozent-Hürde machten in Deutschland für zahlreiche Kleinparteien den Weg frei ins EU-Parlament. Den Einzug schafften mit je einem Mandat die Freien Wähler, die NPD, die vorübergehend medial massiv unterstützten Piraten, die Satiretruppe „Die Partei“ sowie die Tierschutzpartei. Dazu kommen die Familienpartei und die ÖDP (Ökologisch-Demokratische Partei) – zwei Gruppierungen mit klar konservativem Profil. Unzensuriert.at sprach mit dem neuen Mandatar der Familienpartei, dem Rostocker Arne Gericke, zu dessen Familie vier leibliche und drei Pflegekinder zählen.

Fraktionsfrage: „Wer vertritt unser Familienbild?“

„Ich habe schon zwei bis drei Tage im Europäischen Parlament verbracht und es ist wunderbar, wie ich dort empfangen wurde“, erzählt Arne Gericke, der die Familienpartei als Spitzenkandidat zu rund 185.000 Stimmen führte. Zentrale der Themen der ausschließlich auf das Wohl der Familie ausgerichteten Partei sind Erziehungsgehalt, Kinderkostengeld und Generationengerechtigkeit. Doch Gericke weiß, dass es in Brüssel natürlich auch um zahlreiche andere Themen geht, daher hielt er bereits Ausschau nach Verbündeten und will sie in der von den britischen Konservativen geführten Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformisten (ECR) bereits gefunden haben. Die entscheidende Frage bei der Fraktionsauswahl habe gelautet: „Wer vertritt unser Familienbild?“

Dafür wären wohl auch die beiden EU-kritischen Gallionsfiguren Nigel Farage (UKIP) und Marine Le Pen (Front National) in Betracht gekommen. Doch in deren Fraktionen will Gericke nicht, obwohl ein Gespräch stattgefunden hat: „An einem Nigel Farage kommt man natürlich nicht vorbei. Doch er hat sich im Wahlkampf sehr weit nach rechts bewegt und seine Europa-Gegnerschaft so deutlich gemacht, dass eine Zusammenarbeit für uns schwer vorstellbar geworden ist.“ Mit Le Pen will die Familienpartei überhaupt nicht. Gericke äußert den von Medien erfundenen Verdacht, auch die NPD werde Teil dieser Fraktion sein, lässt aber wenig später erkennen, dass seine Partei selbst „Medienopfer“ ist:  „Wir werden in Deutschland von den alten Parteien in die rechte Ecke geschoben und manche Zeitungen nehmen das so auf.“

„Kinder brauchen Vater und Mutter!“

Das liegt wohl vor allem an der Weigerung der Familienpartei, alle Beschlüsse der EU als unhinterfragbare Segnungen zu akzeptieren. „Wir sind insofern EU-kritisch, als in der EU eine Politik betrieben wird, die die Lebensleistung der Eltern nicht anerkennt und die zu immer mehr Schulden geführt hat, die unsere Kinder einmal tragen müssen. Finanzentscheidungen dürfen nicht die nachwachsenden Generationen belasten.“ Gericke sieht die Kinder im Zentrum, auch wenn sie in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften aufwachsen sollten: „Generell stehe ich auf dem Standpunkt: Kinder brauchen Vater und Mutter. Doch man darf die Familien nicht gegeneinander ausspielen. Vor der Diskussion über die Homo-Ehe hat man reiche gegen arme Eltern ausgespielt.“

Durch den Einzug ins EU-Parlament erwartet Arne Gericke Rückenwind auch für die Bundespolitik und hofft, dass er von Brüssel und Straßburg den in Deutschland praktizierten Medienboykott gegen unliebsame Kleinparteien durchbrechen kann: „Seit Montag steht mein Telefon nicht still und es gab in verschiedensten Zeitungen Berichte. Ob sie inhaltlich immer dem Gesagten entsprechen, ist manchmal die Frage.“

Lesen Sie hier den Artikel über die Ökologisch-Demokratische Partei und ihren EU-Mandatar Prof. Klaus Buchner.

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