Nach internationaler Kritik: Keine Benimm-Regeln für Araber im Pinzgau

„Liebe arabische Gäste, bitte nicht vom Boden essen“, spottete das deutsche Nachrichtenmagazin Focus und die britische Boulevardzeitung Daily Mail witterte schlicht und einfach „Tourismus-Apartheid“. Die Aufregung im Ausland war groß, als die Urlaubsregion Zell am See-Kaprun im Salzburger Pinzgau einen Knigge für Araber herausbrachte, der arabische Gäste auf das richtige Verhalten in dem ihnen fremden Land hinwies. Deshalb gab es nun einen Kniefall vor den Arabern und der ausländischen Presse: Die Benimm-Regeln in einer achtseitigen Broschüre wurden wieder eingezogen.

Die Idee zum Knigge kam nicht von ungefähr: Mit 471.792 Übernachtungen bilden die Araber (vor allem aus Saudi Arabien und aus den Vereinigten Arabischen Emiraten) im Sommer bereits die zweitstärkste Touristengruppe, auf Platz eins liegt Deutschland. Dass in einem anderen Land aber auch andere Sitten herrschen, dürfte sich nicht zu allen arabischen Gästen herumgesprochen haben, weshalb es zunehmend zu Konflikten mit Einheimischen kam. Es häuften sich vor allem die brenzligen Verkehrssituationen, weil die Araber die Verkehrsschilder nicht lesen konnten. In den Geschäften glaubten die arabischen Gäste über Preise verhandeln zu können. Und weil man mit den Mistkübeln nichts anzufangen wusste, wurde der Mist einfach auf den Boden geschmissen.

Der Knigge – ein gut gemeinter Versuch

Der Pinzgauer Herbert Brugger, heute Tourismuschef der Landeshauptstadt, sprach im ORF von einem gut gemeinten Versuch, den Knigge herauszubringen. Unglücklich sei aber gewesen, die Broschüre nur an Araber und nicht an alle Touristen zu richten. „Es erfordert auch der Respekt der Gäste gegenüber dem Reiseland, sich hier in Regeln, die üblich sind, einzufinden. Aus meiner Sicht hätte man die eine oder andere Formulierung überdenken können. Grundsätzlich ist es eine gute Initiative. Wenn ich in ein exotisches Land gehe, in Asien oder im arabischen Raum, bin ich sehr dankbar, wenn ich die wichtigsten Regeln dieser Kultur kurz zusammengefasst bekomme“, sagt der Chef der Salzburger Land-Tourismusgesellschaft, Leo Bauernberger, ebenfalls gegenüber dem ORF.

Kulturführer wird überarbeitet

Der Kulturführer mit dem Titel „Where Cultures Meet“ wird den arabischen Gästen bei der Ankunft nun nicht mehr überreicht. Der Marketingleiter der Tourismusgesellschaft, Marco Pointner, kündigte an, die Broschüre „mit unseren Gästen und unserer Bevölkerung“ zu überarbeiten und sie dann erneut auflegen zu wollen. Wahrscheinlich werden im neuen Knigge dann die österreichischen Bürger darauf hingewiesen, mehr Rücksicht auf die arabischen Urlaubsgäste zu nehmen, deren Mist vom Boden aufzuheben, in Geschäften die Preise zu senken und bei brenzligen Verkehrssituationen nicht gleich die Nerven zu verlieren. Die ausländische Presse würde das zweifellos gutheißen.

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