Im ORF machen Sportreporter Weltpolitik

Nach massiver Kritik vor allem in den sozialen Netzwerken und – mit reichlicher Verspätung – auch in den Tageszeitungen hat der ORF die billig wirkende Inszenierung mit halb nackten Samba-Mädchen und abgehalfterten Musikern offenbar aus dem WM-Studio verbannt. Was blieb, sind die Peinlichkeiten der Sportreporter und -moderatoren. Plötzlich durfte Herbert Prohaska, eigentlich für die Analysen der Spiele zuständig, über Weltpolitik dozieren, was insofern interessant war, da er vor jedem Satz ein „Vielleicht“ stellte, etwa bei der Bewertung der politischen Lage in Brasilien: „Vielleicht müsste die Regierung mehr für die Bevölkerung tun.“

Die Fußballfans staunten nur so, als Prohaska von sich gab, dass er auch Zeitungen lese und in einem Artikel darüber informiert wurde, dass Brasilien an Bodenschätzen eines der reichsten Länder der Welt sei. Aus dem Staunen kam wohl auch der eigentliche Moderator des WM-Studios, Rainer Pariasek, nicht heraus, der Prohaska minutenlang – vielleicht auch wegen eines fehlenden Alternativprogramms – über die Weltpolitik reden ließ. Einmal davon inspiriert, machte dann auch gleich der Kommentator des Spiels Costa Rica gegen Griechenland, Michael Bacher, in dieser Rolle weiter. Bacher, von einem objektiven Reporter so weit entfernt wie Werner Faymann von einem abgeschlossenen Studium, war bis zum Elferkrimi, das die tapferen „Ticos“ gegen die Griechen gewannen, immer auf der Seite der Überraschungsmannschaft aus Lateinamerika.

46 Kriegsschiffe und 7.000 US-Soldaten

Wenig überraschend daher, dass er über das kleine Land mit nur 4,3 Millionen Einwohnern ins Schwärmen geriet, so sehr, dass er die Zuschauer am Bildschirm mit Infos im Dunkeln ließ. Bacher sagte zwar völlig richtig, dass Costa Rica das Militär abschaffte (1949) und das Geld dafür in Bildung und Gesundheit steckte. Doch er verschwieg in diesem Zusammenhang Wichtiges: Nämlich, dass von 1949 bis 1996 eine paramilitärische Polizeitruppe, die Guardia Civil de Costa Rica mit einer Stärke von zeitweise bis zu 8400 Mann, existierte. Und Bacher sagte auch nicht, dass heute in Costa Rica bis zu 46 Kriegsschiffe und 7.000 Soldaten der USA stationiert sind. Da kann man das Militär leicht abschaffen.

Schwächen des ORF schonungslos aufgedeckt

Bei Großereignissen, wie der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien, offenbaren und rächen sich die Schwächen des Staatsfunks unbarmherzig. Da wird schonungslos aufgedeckt, welche Personen durch Leistung und welche durch Protektion ihre Karriere im ORF machen. Bei manchen hat man jedenfalls den Eindruck, dass ihr politiisches Interesse beim Portier am Küniglberg endet. Dafür holt man sich Experten des jeweiligen Fachs als Unterstützung: Den „Schneckerl“ Prohaska, wenn es um Weltpolitik geht. So wie damals den SoKo-Bullen Gregor Seberg, als es um Innenpolitik ging. Sebergs unsäglicher Auftritt in der ORF-Sendung „Im Zentrum“ bleibt  schmerzlich in Erinnerung:  Offenbar ohne Kenntnis der Materie verwechselte der Schauspieler die Piratenpartei mit den Internet-Hackern Anonymous. Dem nicht genug, vermittelte er dann auch noch den Eindruck, dass die FPÖ für die Vorratsdatenspeicherung sei – unwissend, dass auf Initiative der Freiheitlichen die Kärntner Landesregierung gegen diese undemokratische Entwicklung mit einer Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof vorging.

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