Die Niedermühlbichlers: Karrieren im Familienbetrieb der Wiener SPÖ

Georg Niedermühlbichler soll neuer Parteisekretär in der Wiener SPÖ werden. Nach dem überraschenden Rücktritt von Christian Deutsch aus dieser Funktion ist auch diese Entscheidung durchaus bemerkenswert. Und sie zeigt einmal mehr: Die Wiener Roten sind ein Familienbetrieb, in dem Verwandtschaft und Ehe stets karrierefördernd sind.

Der Name Niedermühlbichler ist der breiten Öffentlichkeit bis dato unbekannt. Georg Niedermühlbichler ist bislang ein – seit neun Jahren – wenig auffälliger Landtagsabgeordneter und seit 2008 Präsident der Mietervereinigung. Als solcher verspricht er – dann und wann auch in Fernsehdiskussionen -, was seine Partei längst nicht zu halten imstande ist: leistbares Wohnen.

Klaudia Niedermühlbichler: Faymanns Vertraute bei der ASFINAG

Ebenso im Verborgenen hat Niedermühlbichlers Ehefrau Klaudia Karriere gemacht. Beide haben ihre politische Basis – für Sozialdemokraten nicht gerade typisch – im schwarz dominierten 1. Wiener Gemeindebezirk. Klaudia ist Bezirksrätin und SPÖ-Frauenvorsitzende in der Inneren Stadt. Sie gilt als besonders enge Vertraute von Bundeskanzler Werner Faymann, arbeitete bis 2007 in dem von ihm geführten Infrastrukturministerium und wurde dann als Leiterin der Unternehmenskommunikation bei der staatlichen Autobahngesellschaft ASFINAG installiert. Nach Bekanntwerden der Inseratenaffäre, die Werner Faymann zwar keine gerichtliche Verurteilung, aber einen enormen Imageschaden eingebracht hat, wurde über ihre Rolle bei der Umsetzung der ministeriellen Wünsche spekuliert – etwa im Standard.

Ihr Abgang aus dieser Funktion im Jahr 2011 solle, so mutmaßte damals der Standard, „die nunmehr erfolgte Abnabelung der ASFINAG vom Büro Faymann unterstreichen“. Fallen gelassen wurde sie jedoch nicht. Nach einer Zeit als Vorstandsassistentin zeigte der Karrierepfeil für sie wieder nach oben: Derzeit ist sie – wenn auch nur interimistisch – Personalchefin der ASFINAG Baumanagement GmbH. Ihre Vorkenntnisse im Personalwesen sind da ebenso überschaubar wie sie es damals im Bereich der Unternehmenskommunikation waren.

Faymann wahrt Einfluss in der Wiener SPÖ

Die zumindest optisch eher unschöne Karriere seiner Ehefrau im Umfeld des heutigen Kanzlers ist dem designierten Wiener Landesparteisekretär Georg Niedermühlbichler freilich nicht anzulasten. Was dabei aber erstaunt, ist die Nähe zu Faymann, zumal dem Wiener Bürgermeister Häupl kein gutes Verhältnis zum Kanzler nachgesagt wird. Bereits für die  Demontage von Christian Deutsch sahen Insider dessen Verankerung in Faymanns „Liesinger Partie“ als möglichen Grund. Wenn Häupl sich also der Faymann’schen Kontrolle entziehen will, dann scheint ihm das ausgesprochen schlecht zu gelingen. Ein Indiz dafür, dass Häupls Tage als Wiener Bürgermeister selbst dann gezählt sein könnten, wenn er diesen Sessel bei den 2015 anstehenden Wiener Landtagswahlen für die SPÖ noch einmal retten kann.

Deutsch könnte bei der Sozialbau AG landen

Für den Deutsch-Rückzug bietet sich indessen ein neues Erklärungsmodell an: Wie FPÖ-Landesparteisekretär Hans-Jörg Jenewein vermutet, könnte dieser auf den demnächst frei werdenden Posten als Vorstand der Sozialbau AG spitzen, der mächtigsten der SPÖ-nahen Wiener Wohnbaugesellschaften. Schon jetzt ist er dort im Aufsichtsrat – ebenso wie in zahlreichen anderen Unternehmen aus dem enormen Imperium der Wiener SPÖ, die nämlich nicht nur ein Familienbetrieb, sondern auch ein riesiger Wirtschaftsbetrieb ist.

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