Auflagenkontrolle deckt auf: Die Tagezeitung Österreich kaufen nicht einmal mehr 50.000

Wolfgang Fellner kann mit seiner Tageszeitung Österreich nicht einmal mehr 50.000 Menschen dazu bringen, sein Produkt zu kaufen. Wie aus den Zahlen der Österreichischen Auflagenkontrolle (ÖAK) aktuell hervorgeht, sank die verkaufte Auflage von Österreich auf nur noch 49.452 Stück. Im Vorjahr waren es noch knapp mehr als 64.000. Das heißt: Für Fellners Boulevard-Blatt geben weniger Menschen Geld aus, als in einem sehr kleinen Bezirk Wiens, etwa in Margareten wohnen (53.000).

Was also tun, wenn die Verkaufszahlen derart dramatisch den Bach runter gehen? Fellner dürfte wissen, wo seine Freunde sitzen, die ihn mit Werbeeinschaltungen aus Bundeskanzleramt, Ministerien und aus der Stadt Wien füttern – irgendwo muss das Geld ja herkommen, wenn das Volk das Blattl partout nicht kaufen möchte. Wer seine Zeitungen durchblättert, bekommt den Inseratensegen sämtlicher öffentlicher Geldgeber zu sehen. Allerdings müssen für diese Einschaltungen „im Namen der Republik“ erst wieder die Steuerzahler herhalten. So deckte der Kurier im September 2011 auf, dass die Tageszeitung Österreich seit 2006 35,4 Millionen Euro von der öffentlichen Hand bekommen haben soll.

Obama nach Österreich eingeladen

Fellner weiß, was er dem Werner (Faymann) und dem Michi (Häupl) schuldig ist. Brav werden gute Nachrichten über die SPÖ-Männer verbreitet, etwa die Topmeldung, dass Kanzler Werner Faymann bei seinem USA-Besuch Präsident Barack Obama nach Österreich eingeladen habe und dass Faymann auf seinem US-Trip auch seinen „guten Freund“ Arnold Schwarzenegger besuchen werde. Die Meldung ist schon einige Jahre alt – Obama war noch immer nicht da. Hauptsache eine Schlagzeile für Werner Faymann, der dadurch Aufmerksamkeit erreicht. Doch was nützt das, wenn die Zeitung immer weniger Leute kaufen – da bleibt die erhoffte Wirkung aus.

Deal zwischen Faymann und Fellner

Faymann und Fellner verbindet angeblich eine Jugendfreundschaft. Und Freunden hilft man gerne, wie der frühere Vizebürgermeister in Wien, Bernhard Görg (ÖVP), im Kurier ausplauderte. Faymann habe sich, erzählt Görg, mit Wiener Wohnen in den News-Räumlichkeiten eingemietet und eine völlig überhöhte Miete bezahlt. Damals, im Jahr 2000, war der aufstrebende SPÖ-Politiker Faymann Wohnbaustadtrat in Wien. Görg, von 1996 bis 2001, Vizebürgermeister. In der Koalition mit den Roten schwieg der schwarze Politiker zu einem angeblichen Deal zwischen Faymann und den Fellner-Brüdern – aber nach seiner Zeit als Poltiker erzählte der damals 69-Jährige Details und Hintergründe, was sich im Medien-Tower-Komplex im 2. Wiener Gemeindebezirk, Leopoldstadt, abgespielt haben soll.

Überhöhte Mietzahlungen

Im Kurier gab Görg also folgendes bekannt: Die damaligen News-Macher Wolfgang und Helmuth Fellner hätten dringend Platz in der Stadt benötigt – für die Zentrale ihres Imperiums. Die Generali, Eigentümer des Areals in der Taborstraße, wäre bereit gewesen, das Büro-Hochhaus zu vermieten. Görg wörtlich: „Ich habe dann die Kontakte zu den Fellners hergestellt.“ Die Fellner-Brüder hätten jedoch bald erkannt, dass sie viel zu viel Raum gemietet hatten, weshalb sie einen Untermieter suchten. Görg: „Da ist dann Wiener Wohnen unter Werner Faymann eingesprungen.“ Es kam zu den laut Rechnungshof „stark überhöhten Mietzahlungen“. Konkret: 31,6 statt der ortsüblichen 12,4 pro Quadratmeter seien bezahlt worden.

Miete zwölfeinhalb Jahre im Voraus bezahlt

Eine versteckte Förderung für  NEWS? Dem nicht genug, hätte Wiener Wohnen die Miete für zwölfeinhalb Jahre im Voraus bezahlt – sage und schreibe 2,7 Millionen Euro.  „Es war jedenfalls der Beginn der Zusammenarbeit“, so Görg. Der wunderte sich, dass es damals keinen Aufschrei gegeben habe, „wohl aus Angst, es sich mit den mächtigen Medienmachern zu verscherzen“. Eine von den Grünen geforderte Überprüfung der Causa wurde vom Kontrollamt des Wiener Gemeinderates abgelehnt. Heute, in der Stadtregierung, werden sie in dieser Sache eher keinen Finger mehr rühren.

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