Sozialbau AG – Leere Sandkisten für Wiener Kinder und Wellness für Migranten?

Die Sozialbau AG bestätigt den Zusammenhang zwischen Form und Inhalt. Das Management ist sozialdemokratisch, die SPÖ Wien ein großer Anteilseigner und die Linie der Wohnbaugenossenschaft ist mehr als multikulturell. Es wurde eigens ein Wohnkomplex für die Bedürfnisse von Migranten maßgeschneidert – Wellnessbereich und Dachterrasse inklusive. In anderen Bauten der roten Genossenschaft soll es in der Vergangenheit gerade für einen Hof mit Sandkisten ohne Sand, Wippen und Mülltonnen gereicht haben.

Dampfbäder und Wellness im Globalen Hof

Unter maßgeblicher Beteiligung des Generaldirektors der Sozialbau AG, Dr. Herbert Ludl, wurde in Wien-Liesing von der Urbanbau – einer Tochter der Sozialbau – das „Wohnmodell inter-ethnische Nachbarschaft“ – kurz WIEN – verwirklicht. Das Gebäude mit dem Namen „Globaler Hof“ hat Luxus aufzuwarten, von dem die wenigsten Wiener zu träumen wagen. Es umfasst unter anderem vier Gemeinschaftspenthäuser und  einen Kinderspielraum. Hinzukommt ein Wellnessbereich zudem ein Dampfbad, eine Sauna, ein Sitzbecken und ein Ruhebereich zählen – 209 Quadratmeter Entspannung. Der Architekt war Peter Scheifinger, der sich als Gegner freiheitlicher Forderungen hervortat. Ziele, die er mit dem prononcierten Sozialdemokraten Ludl vermutlich teilt. Die Antwort auf die zunehmende Bildung von islamischen Parallelgesellschaften war eine anzupeilende Ausländerquote von 50 Prozent im Globalen Hof, der 140 geförderte Wohnungen umfasst und im Jahr 2000 fertiggestellt wurde. Ein Schlaraffenland sollte offenkundig die Integration befördern:

„Die Absicht von Bauträger und Architekt war, ein Stadterweiterungsgebiet für Zuwanderer attraktiv zu machen und den Zuzug aus überlasteten Stadtteilen zu provozieren.“

Im Jahr 2003 bekannte sich der heutige Bundeskanzler und damalige Wohnbaustadtrat Werner Faymann zum Konzept. Er präsentierte gemeinsam mit Herbert Ludl eine Studie zum genannten Projekt WIEN. In der Rathauskorrespondenz wurden die integrativen Leistungen Faymanns im Wiener Wohnbau geschildert:

„Dadurch ist es gelungen, den Anteil an ausländischen Mietern bei neuen Genossenschaftswohnungen in den letzten Jahren auf 20 Prozent zu erhöhen. Drittens fließt die Förderung der Wohnhaussanierung und von Neubauprojekten vor allem in „abgewohnteStadt– und Bezirksteile, in denen überdurchschnittlich viele ausländische Staatsbürger wohnen. Eine weitere Integrationsmaßnahme stellt die Allgemeine Wohnbeihilfe dar, durch die es seit 2001 auch für ausländische Staatsbürger, die in privaten Mietshäusern wohnen, möglich ist, Wohnbeihilfe zu erhalten. 13.000 Familien nehmen diese Hilfe bereits in Anspruch. Die Studie beweist, dass Integrations-Konzepte nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Realität funktionieren. Deshalb setzt die Stadt dieses Instrument der Integration auch weiter fort. 9 Projekte mit rund 600 Wohnungen sind bereits realisiert, sechs weitere Projekte mit zusätzlich rund 500 Wohnungen werden derzeit umgesetzt„, erklärte Wohnbaustadtrat Werner Faymann, der darauf hinwies, dass diese Instrumente auch ein wichtiger Beitrag der Stadt gegen Spekulation darstellen.“

 

Preise und Ehrenzeichen

Der Globale Hof erhielt im Jahr 2009 den ersten Wiener Wohnbaupreis. Im Jahr 2011 wurde Herbert Ludl mit dem „Großen Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien“ geehrt. Architekt Peter Schleifer wurde mit dem „Goldenen Verdienstzeichen des Landes Wien“ ausgezeichnet. In der zugehörigen Korrespondenz wurde speziell auf das Wohnmodell inter-ethnische Nachbarschaft verwiesen.

Abseits der Multikultitempel

Die allermeisten Wiener Familien und ihre Kinder mussten sich – abseits von multikulturellen Vorzeigeprojekten – mit weitaus weniger Komfort begnügen. Auch innerhalb der Sozialbau. Eine Wohnhausanlage des Unternehmens in der Hütteldorferstraße 130 hatte augenscheinlich unter anderem Kinderspielplätze mit Sandkiste ohne Sand, einer Wippe, einer Bank und einem in der Nähe befindlichen Mülleimer zu bieten. Ludl hatte zuvor in einem Schreiben an engagierte Bürger von „Kinderspielplätzen“ sowie „Kleinkinderspielplätzen“ berichtet, wie Wolfgang Krisch schreibt. Dieser Sparte nicht mit Kritik: „Zwischen engen Wohnblöcken ließen sich tatsächlich gerade vier Sandkisten neben jeweils einer Bank realisieren, als „Freifläche“ des Kindertagesheimes erwies sich ein Betonband neben einer Rasenfläche, aus der neben dornigem Gestrüpp die Lichtschächte eines darunter liegenden Supermarktes ragen!“

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