Josefstädter verzweifeln an Baustellen im Bezirk

Der 8. Wiener Gemeindebezirk beherbergt derzeit etwa 24.279 Menschen und ist flächenmäßig der kleinste Bezirk in ganz Wien. Man könnte meinen, dass es demnach doch gar nicht so viele Ungereimtheiten auf so wenig Platz, nämlich nur 1,08 km2, geben kann. Wer dies glaubt, wird aber spätestens bei einem motorisierten Ausflug durch die Josefstadt eines Besseren belehrt. Lieferanten, Anrainer oder Besucher können ihre Wut kaum noch in Worte fassen, während sich die Bezirksverwaltung immer noch im sommerlichen Pausieren übt.

Schilderparcours

Einen Parkplatz in Innenstadtnähe zu ergattern, ist ohnehin ein Glücksfall, wie jeder Wiener aber auch auswärtige Besucher zu berichten weiß. Hat man glücklicherweise doch einen gefunden, so ist er in diesem Sommer nicht selten von bis zu vier Hinweisschildern gleichzeitig geschmückt. Hört sich kompliziert an und ist es tatsächlich auch. Denn oftmals wissen selbst Hüter der guten Ordnung im Bereich der Parkraumbewirtschaftung nicht mehr weiter und hängen dann pauschal ein Zettelchen an die Windschutzscheibe.

Auf einem ist etwa zu lesen, an welcher Uhrzeit man NICHT parken darf, auf dem Anderen findet sich jedoch eine Ausnahme von dieser Uhrzeit, am dritten Schild findet sich dann etwa ein Hinweis, welcher Fahrzeugtypus auf diesem Stückchen Beton unerwünscht ist und das vierte Schild beherbergt im Spitzenfall eine falsche Jahreszahl, womit jegliche Beschreibungen eigentlich hinfällig wären.

Unzählige Baustellen

Diese netten kleinen Hinweisschilder – oftmals durch Wind und Wetter ohnehin unleserlich gemacht – stehen in dem kleinen und schnöden Bezirk aber nicht etwa – wie man es in Wien durchaus auch vermuten könnte – zur Provokation der Autofahrer, sondern aufgrund der unzähligen Baustellen. Ist dieser Gemeindebezirk ohnehin schon sehr klein, kommt noch der eklatante Mangel an Parkplätzen hinzu. Diesen Sommer finden sich aber tatsächlich an jeder zweiten (!) Ecke Reparaturarbeiten, Baustellen oder Lademöglichkeiten für Baustellenfahrzeuge, welche es den Anrainern unmöglich machen, dort das Fahrzeug abzustellen.

Spricht man mit dem typischen Josefstädter, merkt man, bei dieser Thematik auf eine offene Wunde zu stoßen. Zwar besitzen die meisten Anwohner für ihr Fahrzeug ein teuer erstandenes Parkpickerl für den ausgewählten Bezirk, finden dort jedoch keine Abstellmöglichkeit und müssen in umliegende Gegenden ausweichen, wo wiederum eine Parkgebühr zu entrichten ist. Ohnehin schon erzürnt  über die Bezirkspolitik der ÖVP, kommt noch hinzu, dass immer mehr Bewohner bemerken, dass Parkplätze, welche als „Behindertenplätze“ ausgewiesen werden und für diverse Kennzeichen freigehalten werden müssen, niemals besetzt sind.

Koordinator geplant

Sind es keine Behindertenparkplätze, so kommen noch diverse Parkverbote für gewöhnliche Anrainerfahrzeuge hinzu: Etwa für „Carsharing“-Fahrzeuge, für Einsatzfahrzeuge (welche im Notfall natürlich erst einen Parkplatz suchen), für „Garagenausfahrten“ durch die in Wirklichkeit in der heutigen Zeit kein gewöhnliches zweispuriges Fahrzeug mehr passt und letztendlich bleibt es dem Josefstädter auch verwährt, auf den drei „großen“ durch den Bezirk laufenden Straßen länger als 1,5 Stunden zu parken, weil dies als „Einkaufszone“ gehandelt wird.

Unmut dürfte aber nicht nur in der Josefstadt herrschen, denn erst kürzlich wurde von der Stadt Wien beschlossen, einen eigenen Koordinator für Baustellen einzusetzen. Dies sollte ausgerechnet Peter Lux, der Projektleiter der umstrittenen MaHü, werden. Der Umbau würde dort planmäßig funktionieren, heißt es aus dem Rathaus. Ob es jedoch einen eigenen Koordinator braucht, um nicht zur selben Zeit mehr als 10 Baustellen auf 1,08km2 zu genehmigen, darf bezweifelt werden.

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