Kurier-Redakteur Uhl wird Kommunikationschef der Wiener SPÖ

Manche Karrieren erstaunen auf den ersten Blick – auf den zweiten jedoch schon weniger. Die Wiener SPÖ gab am 15. September bekannt, dass der bisherige Kurier-Journalist Hannes Uhl schon heute „die Leitung der Kommunikation der Wiener SP übernehmen“ übernehmen werde. Der ebenfalls neue Landesgeschäftsführer Georg Niedermühlbichler preist ihn in den für eine solche Verpflichtung üblichen Tönen:

Mit Hannes Uhl haben wir einen absoluten Medienprofi für die Wiener SPÖ gewinnen können. Er besitzt nicht nur die nötige Kommunikationskompetenz, sondern auch Management- und Teamführungsqualitäten, die er gewinnbringend in der Löwelstraße einbringen wird können. Mit ihm als Neuzugang und meinem vertrauten Team ist die SPÖ Wien mit Michael Häupl an der Spitze auf einem sehr gutem Weg in das Wahljahr 2015.

Obwohl er 16 Jahre im Journalismus, davon 13 beim Kurier verbrachte, gelang es Uhl kaum, sich einen allgemein bekannten Namen in der Branche zu machen. Einmal jedoch fiel er auch Unzensuriert.at auf – nämlich mit einer groben Verharmlosung der linken Krawalle rund um den Wiener Akademikerball im Jänner 2014. In seinem Kommentar schrieb er unter anderem:

Wundern darf sich darüber niemand. Wenn man die Hofburg und den Heldenplatz, so symbolträchtige Orte im Herzen der Republik, einem Treffen deutschtümelnder Ewiggestriger zur Verfügung stellt, wird das international mit einem Naserümpfen quittiert. Als Folge setzt ein Demonstrations-Tourismus ein, der Wien eben jene Chaoten beschert hat, die nur um der Randale willen anreisen.

Der frühere Vizekanzler Norbert Steger antwortete Uhl in einem offenen Brief unter dem Titel „Wehret den Anfängen“, den Unzensuriert.at veröffentlicht hat. Stegers Botschaft an Uhl: „Genauso wie Sie haben Journalisten in der NS-Zeit argumentiert.“

Kein weiter Weg zur SPÖ

Der Schritt vom vorgeblich objektiven Journalismus zur Parteikommunikation ist für Uhl jedenfalls nicht allzu groß. Die Worte, die er am 25. Jänner zu den linksextremen Krawallen fand, hätte er getrost auch einem seiner neuen Chefs – Landesgeschäftsführer Niedermühlbichler oder Bürgermeister Häupl – in einer Presseaussendung in den Mund legen können.

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