Die Erdoğan-Türkei: NATO-Mitglied und IS-Verbündete

7. Oktober 2014 - 22:44

In diesen Stunden fällt die strategisch wichtige Stadt Ain al-Arab (kurdisch: Kobanê). Ein Massaker steht unmittelbar bevor. Die bis an die Zähne bewaffnete türkische Armee beobachtet das aus einer Entfernung von einigen hundert Metern Entfernung mit Feldstechern. Das scheinbar untätige Zusehen ist aber keines: Der Belagerungsring soll so lange geschlossen bleiben, bis es mit den kurdischen Verteidigern vorbei ist.

Sunniten zerschlagen „Schiitischen Halbmond“

Im Februar 2011 erreichte der angebliche „Arabische Frühling“ auch Syrien. Staatschef Assad kommt aus der alawitischen Minderheit, wodurch Syrien ein  wichtiger Bestandteil des „Schiitischen Halbmondes“ ist, der vom Libanon über Syrien, den Irak und den Iran bis nach Bahrain reicht. Sunnitische Extremisten, allen voran der IS, sahen die Möglichkeit, endlich den Halbmond der schiitischen „Ketzer“ zu durchbrechen und auch mit den religiösen Minderheiten aufzuräumen.

Anfangs bekam der IS Geld vom ölreichen Saudi-Arabien, mit dem er Waffen in der Türkei kaufte. Erdoğan, der sich darüber mokierte, dass Assad chemische Substanzen einsetze (was er selbst schon im September 2009 der eigenen kurdischen Minderheit angedeihen hatte lassen), ließ auch IS-Ausbildungslager und Transitrouten der korantreuen Killerschwadronen zu.

Türkei kauft IS große Mengen Erdöl ab

Schon bald beklagte die irakische Regierung, dass die Türkei dem IS große Mengen an erbeutetem Erdöl abkaufe. Spätestens als der IS völlig überraschend  die nordirakische Kurden-Metropole Mossul einnahm, dort die Grabmoschee des Propheten Jonas (den wir aus der Bibel als vom Wal verschluckt kennen) als „unislamische Götze“ zerstörte und ankündigte, die Kaaba in Mekka komme auch noch dran, schwenkte Saudi-Arabien um. Nicht so die Türkei!

Gegenüber den USA sagt Erdoğan ganz unverhohlen, dass er in Syrien nur eingreifen werde, wenn er es gegen Assad tun darf. Kurdischen Kämpfern wird der Zutritt zu Kobanê verwehrt, während die zahlreichen türkischen IS-Krieger ungehindert die Grenze passieren können. Jene Aktionen, die nicht vor der internationalen Öffentlichkeit versteckt werden können, zeigen auch ein deutliches Bild. Für 49 türkische Geiseln aus Mossul wurden von Ankara gleich 180 Dschihadisten „freigelassen“, der IS verschont dafür untypischerweise das von 36 türkischen Soldaten bewachte Grab des Sultan Schah (Großvater des ersten osmanischen Sultans), das 30 Kilometer südlich von Kobanê im IS-Gebiet liegt. Dafür hält die türkische Armee sogar still, wenn sich IS-Geschoße wiederholt auf ihr Staatsgebiet verirren.

Medien durchschauen Türkei nicht

Die Europäer sind entsetzt über die Enthauptungsvideos des IS und dass offensichtlich Teile der eigenen muslimischen Jugend den Koran auch so genau nehmen. Aber das Spiel der Türkei haben sie noch lange nicht durchschaut. ORF-Korrespondent Christian Schüller erläutert immer noch naiv, dass Erdoğan Assad als die Wurzel des Übels sieht, als ob dieser den IS tatsächlich als Übel sehe. Und ZiB24-Moderator Roman Rafreider schluckte, als ihm der linksextreme Politologe Thomas Schmidinger ganz nüchtern erklärte, dass die Türkei in Kobanê, wenn überhaupt, erst dann eingreife, wenn dort alle Kurden tot sind.

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