Ex-Kanzler Kohl: Waldheim „anständig“

Der ehemalige deutsche Kanzler Helmut Kohl hat seinen einstigen Biograf und Journalisten Heribert Schwan negative Schlagzeilen zu verdanken. Schwan hat gemeinsam mit Tilman Jens das Buch „Vermächtnis: Die Kohl-Protokolle“ geschrieben, in dem die jetzige deutsche Kanzlerin Angela Merkel mit Spot übergossen wird. Merkel habe auf Staatsempfängen nur peinlich herumlungert und sei von Kohl mehrfach zur Ordnung gerufen worden. Weiters wurde über die Medien breit ausgeschlachtet, dass Kohl gemeint haben soll, dass Merkel nicht richtig mit Messer und Gabel essen konnte

Kohl lobt Kurt Waldheim

Anerkennende Worte findet Kohl hingegen für den österreichischen Ex-Bundespräsident Kurt Waldheim. Kohl sieht – in dem im Juni 2007 verstorbenen – Waldheim einen „anständigen Mann, der viel zu feige war, um unanständig zu sein“. Waldheim sei ein klassisches Opfer der Medien gewesen. In der Affäre um die Wehrmachtsvergangenheit des früheren UNO-Generalsekretärs habe auch der Jüdische Weltkongress eine „besonders üble Rolle gespielt“, kritisierte Kohl. Waldheim sei „himmelschreiendes Unrecht“ widerfahren. Er selbst sei zwar „kein Waldheim-Fan“ gewesen. Dennoch: „Ich bin ein freier Bürger in einem freien Land. Ich muss mich den Ausführungen dieser Waldheim-Gegner nicht fügen. Das sind ja die gleichen Leute, die ohne jede Hemmung jede Denunziation betreiben, wenn es ihnen nützlich ist.“

Kohl wollte Veröffentlichungen verbieten lassen

Kohl hat bis dato vergeblich versucht die Veröffentlichungen des Buchs verbieten zu lassen. Gegen 115 Zitate hätten Kohls Anwälte Anträge auf Unterlassung eingebracht. Schwans Zitate stammen übrigens von Tonbandaufzeichnungen aus den Jahren 2001 und 2002. Auf den Tonbändern hatte Schwan insgesamt 630 Stunden Gespräche aufgezeichnet, die er mit Kohl in dessen Haus in Oggersheim (Ortsbezirk der Stadt Ludwigshafen am Rhein) geführt hatte. Die Aufzeichnungen dienten zur Abfassung von drei Bänden der Kohl-Memoiren. Nach seinem schweren Treppensturz 2008 musste Kohl die Arbeit mit Schwan an der Biografie unterbrechen. Im März 2009 kündigte der Altkanzler schließlich die Zusammenarbeit mit dem Journalisten auf, nachdem es zu einem Zerwürfnis zwischen den beiden gekommen war.

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