Gratis-Kindergarten doch nicht gratis

Seit einiger Zeit befinden sich in Wiener Tageszeitungen Inserate der Stadt Wien, mit denen der “beitragsfreie” Kindergarten hochgejubelt wird. Die rot-dominierte Wiener Stadtregierung rund um Bürgermeister Häupl muss spätestens im Herbst 2015 wieder die Wähler zur Wahlurne rufen. Da die Wiener von der “Performance” von Rot-Grün alles andere als begeistert sind, muss freilich auch das “Gute” in den Vordergrund gerückt werden. Häupl ließ es sich daher nicht nehmen, den Gratis-Kindergarten, den es in Wien seit fünf Jahren gebe, als Meilenstein für die Wiener Familien zu feiern. Durch das “beitragsfreie Angebot” würden sich Eltern pro Jahr 3.000 Euro ersparen, tönte es vom zuständigen Stadtrat Christian Oxonitsch (SPÖ).

Essen kostet extra

Allerdings sollte man auch das Kleingedruckte lesen. So “gratis” bzw. “beitragsfrei” ist der Kindergarten auch in Wien nicht. Für Mahlzeiten und andere Aktivitäten muss natürlich bezahlt werden. So heißt es auf der offiziellen Seite der Stadt Wien:

Aufwand für Mahlzeiten und besondere Zusatzleistungen der Einrichtung, zum Beispiel verlängerte Öffnungszeiten oder spezielle pädagogische Angebote, sind nicht im “beitragsfreien Kindergarten” enthalten.

Auf der Internetseite des Kindergartens Alt-Wien wird man ein wenig konkreter. Der “beitragsfreie Kindergarten” beziehe sich nur auf den Monatsgrundbetrag. Das Essen, die Einschreibgebühr, Regiebeiträge und eventuelle Zusatzleistungen sind nicht inkludiert. Somit kostet auch der Gratis-Kindergarten Geld. Eltern können da pro Kind schon 140 Euro an Regiebeitragskosten monatlich bezahlen, wie Unzensuriert.at in Erfahrung bringen konnte.

Beim “wöchentlichen Mediengespräch” des Herrn Bürgermeisters, das diesmal nicht im Steinsaal des Rathauses stattfand, sondern im Kindergarten Lustkandlgasse, war freilich nichts von Beitragszahlungen zu hören. Nach dem Mediengespräch bemühte sich Häupl um Volksnähe zu den Kindern, was ihm – im Gegensatz zu Stadtrat Oxonitsch – äußerst schwer fiel. Während sich Oxonitsch zu den Kindern hockte, konnte Häupl aus größerer Distanz wie ein steifer Klotz nur müde lächeln. Zuviel Bewegung bringt selbst im Herbst den Herrn Bürgermeister ordentlich ins Schwitzen.

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