Ex-Weltklasse-Ringer aus Aserbaidschan will für ein Fußball-Märchen in Ottakring sorgen

Wenn in Belgrad Serbien gegen Albanien um die Europameisterschafts-Qualifikation spielt, kommt es in Ottakring zu Straßenschlachten zwischen rivalisierenden Anhängern beider Mannschaften. Zuletzt, am 14. Oktober, konnte nur ein Großaufgebot der Polizei Zusammenstöße verhindern. In diesem multikulturellen Ottakring, das der 16. Wiener Gemeindebezirk in den vergangenen Jahren wurde, soll aber auch ein Fußball-Märchen wahr werden. Der Klub FC Karabakh Vienna will von der sechsten Spielklasse in die Bundesliga aufsteigen.

Der Medienwirbel war vorprogrammiert. Plötzlich schickt sich ein kleiner Fußballklub aus Ottakring an, spätestens 2019 in der Bundesliga zu spielen. Finanzielle Mittel dafür sollen vorhanden sein – die Geldgeber kämen aus Aserbeidschan, schrieben die Journalisten zu Beginn der Fußballsaison. Und jetzt ist der FC Karabakh tatsächlich Tabellenführer in der Wiener Oberliga. Es scheint, als könnte das große Ziel erreicht werden.

Sponsoren aus dem “Land of Fire”

Während also sogar in den ausländischen Medien (“Das Märchen vom FC Karabakh”, Neue Zürcher Zeitung) bereits spekuliert wird, im 16. Wiener Gemeindebezirk könnte analog zu den europäischen Spitzenklubs wie Atletico Madrid, Sheffield Wednesday und RC Lens, die allesamt das “Land of Fire” Aserbeidschan als Sponsor auf ihren Trikots tragen, ein Champions-League-tauglicher Verein entstehen, bleibt der Generalmanager des Klubs, Ramin Shukurov, bescheiden. “Man darf sich hohe Ziele stecken und versuchen, sie zu erreichen – ob es dann klappt, ist eine andere Sache”, sagt er gegenüber Unzensuriert.at.

Fusion mit dem WS Ottakring

Der Ankündigung bei der ersten Pressekonferenz, man werde über das notwendige finanzielle Potenzial verfügen, folgen nun Taten: Dieser Tage werden sechs große Sponsoren des neuen Fußballklubs vorgestellt, drei davon kommen aus Österreich. Es läuft also gut für den neuen Klub aus Ottakring, der jetzt schon weiter ist, als von den Gründern gedacht. Laut Shukurov wurde der Verein FC Karabakh bereits vor einem Jahr aus der Taufe gehoben. “Wir wollten ganz unten in der zweiten Klasse starten, doch bei Testspielen wurde der spätere Meister locker 9:0 besiegt. Dann ergab sich die Möglichkeit, sich mit dem WS Ottakring zu fusionieren, und wir haben die Gelegenheit beim Schopf gepackt”, erzählt der Generalmanager.

Fußball und Ringen

Sieben Runden sind in der Oberliga gespielt und mit fünf Siegen, einem Unentschieden und einer knappen 3:4-Niederlgage gegen die zweite Mannschaft vom Sportklub liegt der FC Karabakh an der Tabellenspitze. Ein Zuhause hat der Klub, in dem 70 Prozent Österreicher, zwei Türken, ein Albaner und nur ein Spieler aus Aserbeidschan im Kader stehen, auf dem Sportklub-Trainingsgelände in der Erdbrustgasse. Wie lange es hier noch die Vereinsadresse geben wird, steht in den Sternen, denn Ramin Shukurov hat noch einiges vor: Der frühere Weltklasse-Ringer, der im Nationalteam von Aserbeidschan stand, möchte den Fußballklub einmal als Zugpferd auch für andere Sportarten etablieren. Shukurov will mithelfen, ein starkes Ringer-Nationalteam aufzubauen, sodass Österreich bei künftigen Olympischen Sommerspielen nicht wieder, wie in London, ohne eine einzige Medaille dasteht. Know-How dafür kommt aus seiner Heimat-Region Karabakh, die als Ringerhochburg gilt.

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