IV-Kapsch fordert Gesamtschule, schickt seine Kinder aber auf teure Privatschule

Der Präsident der traditionell ÖVP-nahen Industriellenvereinigung (IV), Georg Kapsch, hat sich in den vergangenen Tagen mit der Forderung nach einer “Bildungsrevolution” in die Medien gedrängt. Im Wesentlichen pocht der IV-Chef auf die rasche Einführung der Gesamtschule. Dorthin sollen dann jene Österreicher ihre Kinder schicken, die sich eine teure Privatschule nicht leisten können. Die Familie Kapsch leistet sich jedoch die beste Bildung für ihre Sprösslinge. In einem Interview gab er zu, dass seine Kinder auf eine englischsprachige Privatschule gehen. Pro Schulkind muss Kapsch 15.000 Euro im Jahr zahlen.

Damit reiht sich IV-Boss Georg Kapsch in die Riege jener grünen und roten Politiker ein, die es mit den Kindern der Österreicher “immer gut meinen”, aber das von ihnen präferierte Schulsystem den eigenen Kindern nicht antun möchten. Es ist kein Geheimnis, dass Politiker-Sprösslinge der grünen und roten Bonzen öffentliche Schulen meiden wie der Teufel das Weihwasser. Vor allem in Wien ist die Situation verheerend: Der hohe Ausländeranteil in den Schulklassen drückt das Niveau – und das wissen natürlich auch die verantwortlichen Politiker in der Stadt, die ihre Kinder lieber von den öffentlichen Schulen fernhalten. Die FPÖ in Wien hat vor Jahren einmal recherchiert, wie viele Kinder der SPÖ-Rathauspolitiker öffentliche Schulen besuchen. Es war ein unglaublich geringer Teil.

Das Interview mit Georg Kapsch im Ö1 Journal Panorama am 19.11.2014 reiht sich nahtlos in diese Denkweise ein. Kapsch im Original-Wortlaut:

Interviewerin: Ich muss jetzt kurz – obwohl ich s nicht gern bin, aber doch – etwas polemisch sein, ich glaub es würd sonst als Höreranfrage kommen: Sie haben selbst in einem Zeitungsinterview vor einiger Zeit angegeben, dass Ihre Kinder in eine sehr teure Privatschule gehen. In eine, wo man glaub ich 15.000 Euro Schulgeld pro Jahr zahlt. Warum?

Kapsch: Das ist simpel – weil sie in eine ganz kleine englischsprachige Volksschule gegangen sind und wir uns entschieden haben, diesen englischsprachigen Weg fortzusetzen. Es war eine lange Diskussion mit meiner Frau. Ich hätte sie lieber ins Regelschulwesen gegeben, meine Frau hat gesagt, sie möchte eine englischsprachige Schule und das war die Entscheidung.

Interviewerin: Aber das ist klar, das kann sich nicht jeder leisten, das ist ein Minderheitenprogramm, so etwas.

Kapsch: Das ist richtig….

Der IV-Chef schiebt also die Verantwortung seiner Frau zu. Der AHS-Lehrervertreter Walter Riegler kommentierte dieses Interview knapp: “Englischsprachige Schulen gibt es auch im öffentlichen Schulwesen.”

IV rückt näher zur SPÖ

Mit der Wahl von Georg Kapsch zum Präsidenten der Industriellenvereinigung rückte die IV offenbar näher zur SPÖ. Das gab IV-Generalsekretär Christoph Neumayer in einem Presse-Interview vor einem Jahr auch zu: “Es gibt natürlich Themen im Bildungsbereich, bei denen wir der Sozialdemokratie näherstehen.” Die Bundes-ÖVP wehrt sich noch gegen die Einführung der Gesamtschule, die nach IV-Vorstellungen eine für alle verpflichtende Schule mit einem Wechsel aus Unterricht, Freizeit und Lernzeit von 8.30 bis 15.30 Uhr sein soll. Optional soll es ab 07 Uhr und bis 19 Uhr dort auch noch Betreuung geben.

Gymnasien werden zerstört

Kritiker dieses Modells befürchten aber die Schaffung einer Zwei-Klassen-Gesellschaft: Kinder in der Gesamtschule und Kinder auf teuren Privatschulen (wie jene von Kapsch). Zudem glaubt man, dass die Schüler dann nicht besser ausgebildet werden, sondern ganz im Gegenteil, dass die Ausbildung der Kinder dann wieder nach unten nivelliert werde. Das habe auch die Einführung der Neuen Mittelschule (NMS) gezeigt. Die aufgewerteten Hauptschulen, die als Neue Mittelschulen getarnt sind, erbrachten bei den Bildungstests keine besseren Leistungen als die Hauptschulen. Der Vorschlag von Georg Kapsch wird daher nicht als “Bildungsrevolution”, sondern als “Bildungs-Anarchie” gesehen. Also ein Modell, dass ein gut funktionierendes Schulsystem zerstört.

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