Film über Genozid an Armeniern sorgt für Wirbel in der Türkei

Der türkische Regisseur Fatih Akin hat sich an ein Projekt gewagt, das ihm in seiner Heimat viel Hass entgegen bringt. Er thematisiert als erster Türke den Völkermord an der armenischen Minderheit in einem Kinofilm. Der Völkermord, bei dem hunderttausende Armenier grausam umkamen und welcher sich nächstes Jahr zum hundertsten Mal jährt, wird von der türkischen Politik sowie der Gesellschaft bis heute verleugnet.

Film in türkischen Kinos

Der Film namens „The Cut“ handelt von einem armenischen Mann, der über Nacht von der türkischen Polizei verhaftet und zu Zwangsarbeit verurteilt wird. Bald darauf wird der Befehl zur Ermordung aller inhaftierten Armenier erteilt. Der Mann überlebt wie durch ein Wunder den Massenmord und macht sich auf die Suche nach seinen Töchtern.

Der Film hat bereits vor seiner Veröffentlichung für viel Wirbel gesorgt. So soll er nun auch in allen großen türkischen Städten in den Kinos anlaufen. Nationalisten und Islamisten drohten dem Regisseur bereits mit dem Tod.

Bei den Filmfestspielen in Cannes wollten die Organisatoren allem Anschein nach die Türkei nicht vor den Kopf stoßen und verfrachteten den Film kurzerhand in einen Nebenreihen-Wettbewerb. Der Regisseur zog den Film schließlich aus dem Rennen. Wenigstens ist „The Cut“ nun im Wettbewerbsrennen beim Filmfestival in Venedig.

Repressionen gegen Armenier

Die Repressionen gegen die armenische Minderheit in der Türkei bestehen bis heute. Erst diesen Sommer haben türkische Nationalisten den Mitarbeitern der armenischen Wochenzeitung Agos Gewalt angedroht, weil die Zeitung bei der Vorbereitung der Verbreitung des Films in der Türkei hilft. Im Jahr 2007 war der damalige Herausgeber von Agos, Hrant Dink, in Istanbul ermordet worden. Der Regisseur Akin meint aber, die Türkei sei jetzt "reif" für diesen Film.

In Österreich kommt der Film im Jänner 2015 ins Kino. Kritiker bemängelten vorab, dass viele Fakten im Film nicht stimmen würden, wie etwa historische Orte.

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