Wien-Bosnien: Die Achse der Salafisten

Mohamed Mahmoud ist Österreichs bekanntester Terrorist. Hierzulande halten sich aber noch weitere Schlüsselfiguren eines islamistischen Netzwerks auf. Foto: Bildschirmfoto YouTube
Mohamed Mahmoud ist Österreichs bekanntester Terrorist. Hierzulande halten sich aber noch weitere Schlüsselfiguren eines islamistischen Netzwerks auf.
Foto: Bildschirmfoto YouTube
11. Dezember 2014 - 13:15

Durch Österreich verläuft ein terroristisches Netzwerk. Dieses reicht von Bosnien bis nach Syrien. Das hat eine Großrazzia der Polizei gegen den islamischen Terrorismus vor kurzem bewusst gemacht. Ausgehend von unscheinbaren Gebetshäusern in Wien, Linz und Graz, rekrutieren radikale Muslime vor allem junge Menschen die für Allah in den Heiligen Krieg ziehen sollen.

Die Achse des islamistischen Netzwerks führt ausgehend von Wien nach Gornja Maoca, ein Ort rund 150 Kilometer nördlich von Sarajevo. In diesem bosnischen Dorf leben fast ausschließlich Salafisten. Anhänger einer besonders radikalen Strömung im Islam, die alle westlichen Werte ablehnen und die Scharia als einzige Lebensgrundlage sehen. Sie wollen einen islamischen Gottesstaat – auch in Europa. Ehemalige aus islamischen Staaten stammende Krieger, hatten sich kurz nach dem Krieg in Bosnien und Herzegowina (1996) in Gornja Maoca angesiedelt und abgeschottet von umliegenden Dörfern eine Parallelgesellschaft errichtet. Die Kinder der Islamisten durften ab sofort nicht mehr die öffentliche Schule besuchen. Wenn sich Fremde der Siedlung nähern, wurden sie einfach beschossen. Bosnischen Verfassungsschützern fielen bei Observationen immer wieder Autos mit Wiener Kennzeichen auf. Vermutet wurde, dass die Wiener Gemeinde ihre bosnischen Freunde finanziell unterstützt.

Schlüsselfiguren predigen in Wiener Moscheen

Das Dorf soll auch ein gewisser Mirsad Omerovic alias Ebu Tejma oft besucht haben. Jener islamische Hassprediger, der anlässlich der Polizeirazzia in Wien verhaftet wurde. Ihm werfen die Behörden vor, junge Menschen für den syrischen Bürgerkrieg rekrutiert zu haben. Hierzulande hielt Ebu Tejma mehrfach Predigten in der Altun-Alem-Moschee in Wien-Leopoldstadt. Er unterhält beste Kontakte zu Pierre Vogel, Deutschlands bekanntestem islamischen Hassprediger und führendem Kopf der Koran-Verteilungsaktion „Lies!“. Ebu Tejma soll auch Kontakte bis in das Zentrum von Al-Kaida haben. In einschlägigen Videobotschaften sympathisierte er immer wieder mit Osama Bin Laden.

Eine weitere Schlüsselfigur des Islamisten-Netzwerks ist der Imam Muhammad Fadil Porca. Er kam 1993 nach Wien, predigte in der Tewhid-Moschee in der Murlingengasse in Meidling. Seine Salafisten-Organisation ist die wichtigste logistische und finanzielle Stütze der Dschihadisten in Europa. Geld, vor allem aus Saudi-Arabien – wo der Salafismus Staatsreligion ist – soll über die Drehscheibe Wien zunächst nach Bosnien und zuletzt zur Unterstützung der Dschihadisten nach Syrien geflossen sein. Die Saudis finanzieren in Wien auch das umstrittene König-Abdullah-Zentrum und Wiens größte Moschee, das islamische Zentrum in Floridsdorf. In dieser soll auch der durch seine auf Facebook verbreiteten Gräueltaten bekannt gewordene Austro-Dschihadist Firas Houidi radikalisiert worden sein.

Regierung lässt Islamisten freien Lauf

SPÖ und ÖVP taten sich in der Vergangenheit schwer, klar gegen den Islamismus aufzutreten. Den gefährlichen Austro-Islamisten wird weder die Staatsbürgerschaft entzogen, noch werden sie abgeschoben. Sogar dann nicht, wenn sie aus purem Hass auf Österreich ihren Pass vor laufender Kamera verbrennen, wie Mohamed Mahmoud alias Abu Usama al-Gharib. Der in Wien geborene verurteilte Terrorist und Anführer der verbotenen islamistischen Organisation Millatu Ibrahim verbrannte im März 2013 seinen österreichischen Pass öffentlichkeitswirksam in einem Internet-Video. Gleichzeitig drohte er mit Terroranschlägen. Nur wenige Tage später wurde Mahmoud in der türkischen Stadt Hatay aufgegriffen, als er sich mit einem gefälschten libyschen Pass nach Syrien absetzen wollte, um sich dort einer islamistischen Gruppierung anzuschließen. Daraufhin forderte er die Auslieferung nach Österreich, die aber nicht zustande kam. Nach Erreichen der gesetzlichen Maximaldauer wurde Mahmoud aus dem Polizeigewahrsam freigelassen. Aber statt sich regelmäßig bei der Polizei zu melden, wie es die Auflage vorsah, verschwand er. Wo er sich derzeit aufhält ist unklar. Vermutlich im Kriegsgebiet.

Als einzige „Antwort“ auf die steigende Zahl an Extremisten haben Familienministerin Sophie Karmasin und Integrationsminister Sebastian Kurz (beide ÖVP) unlängst eine „Deradikalisierungshotline“ ins Leben gerufen. Gedacht ist sie vor allem für besorgte Angehörige und auch für Lehrer, die Rat und Hilfe suchen. Auch eine Beratung per E-Mail soll es geben. Ob damit tatsächlich präventive Erfolge gegen radikale Muslime erzielt werden, ist mehr als fraglich. Klar ist jedoch, dass nicht erst seit gestern in Österreichs Moscheen aufs übelste gehetzt wird und damit ein Nährboden geschaffen wird, der Hass und Gewalt mit sich bringt.

Für die im Beitrag genannten Personen gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung.

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