Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) bekam vom ORF die meiste Redezeit.

Foto: Bild: Österreichisches Außenministerium/Flickr (CC BY 2.0)
Kurz am längsten: So macht der ORF Politik

Der Eindruck hat nicht getäuscht. Die FPÖ gibt zwar wichtige Themen in der Innenpolitik vor, wie zum Beispiel die eindringliche Warnung vor gefährlichen Dschihadisten, doch der ORF lässt die Blauen kaum zu Wort kommen. Das zeigt eine vom Standard veröffentlichte Beobachtung aller ZiB-Sendungen (Zeit im Bild um 19:30 Uhr, ZiB 2 und ZiB 24) dieses Jahres. Sieger, was die Redezeit in den Nachrichtensendungen betrifft, ist klar Sebastian Kurz (ÖVP). Der Außenminister durfte länger als eine Stunde reden, exakt 68,2 Minuten.

Dass der Liebling der Medien, Kurz, an erster Stelle liegt, überrascht nicht wirklich. Wenn es etwas zu bereden gibt im ORF, wird dem schwarzen Jungpolitiker das Mikro vor das Gesicht gehalten. Sogar bei Licht ins Dunkel durfte er am Spendentelefon sitzen und wurde danach auch interviewt. Zur besten Sendezeit des ORF versteht sich. Hinter Kurz rangiert in der „ZiB Watch 2014“ der zurückgetretene ÖVP-Chef Michael Spindelegger mit 57 Redeminuten, danach folgt erst der Schweigekanzler Werner Faymann (50 Minuten), der zu heiklen Themen lieber nichts sagt und daher die Besuche in der ZiB 2 meidet wie der Teufel das Weihwasser.

Regierungsparteien kommen auf zwei Drittel Redezeit

Der von Rot und Schwarz dominierte ORF konnte also zufrieden sein. 60 Prozent aller O-Töne in den wichtigsten Nachrichtensendungen des Landes entfielen auf die Regierung – so dürfte die Amtszeit des SPÖ-nahen Generaldirektors Alexander Wrabetz und des ÖVP-nahen Finanzchefs Richard Grasl weiterhin gesichert sein. Zählt man alle Redezeiten der Regierungsparteien zusammen, kommen diese auf deutlich mehr als zwei Drittel. Damit hat der ORF die Oppositionsparteien elegant ausgebremst. Interessant: Die FPÖ liegt in dieser Berechnung mit 9,1 Prozent sogar deutlich hinter den Grünen mit 12 Prozent Redeanteil. Da noch von Zufall zu sprechen, würde den Glauben an die Objektivität des ORF überstrapazieren.

ORF vergisst gern auf Blaue

Die „ZiB Watch 2014“ zeigt einmal mehr, wie der ORF Politik macht. Hier werden aber nur die Nachrichtensendungen berücksichtigt. Würde man die Talksendungen wie „Im Zentrum“ oder Politiksendungen wie „Report“, dazu zählen, würden die Oppositionsparteien noch schlechter abschneiden. Bei haarigen Themen am späten Sonntagabend gelingt es dem ORF seit Monaten bravourös, auf die Einladung von FPÖ-Vertretern zu „vergessen“.

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