Almaz Böhm zeigt sich von den Enthüllungen Sissy Böhms “zutiefst betroffen”.

Foto: Bild: Manfred Werner - Tsui/Wikimedia CC-BY-SA-3.0
Biografie der Tochter zerstört Lebenswerk von Karlheinz Böhm

Nach ihrem Tod soll man über Menschen nicht schlecht reden. Doch was tun, wenn die eigene Tochter gegen den Verstorbenen schwere Vorwürfe erhebt? Sissy Böhm, 59, behauptet in ihrer Ende Jänner erscheinenden Autobiografie "Im Schatten des Lichts", dass ihr berühmter Vater, der erst vor wenigen Monaten verstorbene Schauspieler Karlheinz Böhm, sie sexuell missbraucht habe. In der Bild am Sonntag schildert sie die Szenen, die sie als Kind erleben musste. Zur Vergewaltigung, so Sissy Böhm, sei es aber nicht gekommen.

Karlheinz Böhm wurde 86 Jahre alt und durch die Sissy-Filme, in denen er neben Romy Schneider als Prinzessin Elisabeth den Kaiser Franz Joseph spielte, sowie durch die Gründung der Stiftung "Menschen für Menschen" (MfM) zur Legende. Dieser Status wurde erstmals angekratzt, als der deutsche Großspender Jürgen Wagentrotz, der auch Kuratoriumsmitglied der Stiftung MfM war, vor zwei Jahren an die Öffentlichkeit ging. Und zwar mit dem Vorwurf: Spendengelder würden zweckentfremdet.

Almaz Böhm weist Anschuldigungen zurück

So schrieb der Millionär in einem Brief an die Medien: „Meine jährliche Spende über eine Million Euro lief nicht durch die Bücher, sondern ich bezahlte Rechnungen direkt.“ Folglich würden insgesamt acht Millionen Euro nicht in der Bilanz aufscheinen. Schwer wog auch sein Vorwurf, Almaz Böhm habe sich jährlich 70.000 Euro in die eigene Tasche gesteckt, eine Privatvilla am See bauen lassen und „50 Millionen Euro auf Festgeldkonten gehortet“. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Almaz Böhm bestätigte im Februar 2012 in der ORF-Sendung "Salzburg Heute" die heftige Kritik des deutschen Großspenders, der acht Millionen Euro für „Menschen für Menschen“ gegeben und wegen eines Neubaus in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba die Stiftung verlassen habe. Mit diesem Neubau sei der Spender nicht einverstanden gewesen, er sei daher ausgetreten, beschwichtigte Almaz Böhm. Allerdings nehme sie die Vorwürfe ernst und werde alles prüfen lassen. Dass Spendengelder nicht ausschließlich den Hiflsbedürftigen in Äthiopien zugute kämen, schloss Almaz Böhm aber aus.

Vorwurf der Bilanzfälschung

Damit seine Anschuldigungen nicht im Sande verlaufen, richtete Jürgen Wagentrotz eine eigene Homepage ein, auf der Ungeheuerliches zu lesen ist. Die Vorwürfe reichen vom "Großbetrug mit überteuerten Schulbauten" bis hin zur "Bilanzfälschung". Laut Wagentrotz seien die Beweise für das Tätigwerden der Staatsanwaltschaft ausreichend. Karlheinz Böhm hatte diese Anschuldigungen noch erlebt, er äußerte sich aber nie dazu. Jetzt, nach seinem Tod, tut seine Tochter das Ihre, um das Legendendasein des Schauspielers und Menschenfreundes endgültig zu zerstören. Sissy Böhm schildet ihre Erlebnisse gegenüber der Bild so:

Als ich morgens unter der Dusche stand, kam Papi ins Badezimmer herein. Er war nackt, und schien überrascht, als er mich sah. Dann nahm er mich am Arm, zog mich zu sich heran und küsste mich. Ich stieß ihn von mir und stammelte: Wenn du mich nicht in Ruhe lässt, schrei ich. Darauf ließ er mich los, trat ein paar Schritte zurück und sagte: "Wehe, du erzählst jemandem davon!"

„Du wirst nie einen Busen haben, meine kleine Lolita“

Er küsste mich auf den Mund. Und er hat mich auch am Busen angefasst. Ich war noch flach wie ein Brett, hatte so kleine Brüste. Daran hat er herumgespielt und gesagt: "Du wirst nie einen Busen haben, meine kleine Lolita."

So soll sich die Leidenszeit der damals 13-Jährigen abgespielt haben. Von ihrer Mutter, der ebenfalls verstorbenen und mit Karlheinz Böhm von 1954 bis 1957 verheirateten Elisabeth Zoneva, habe sie in dieser Zeit keine Hilfe erwarten können. Im Gegenteil. Elisabeth habe Sissy bereits als Fünfjährige missbraucht und später, als sie gerade erst 16 war, zur Prostitution gezwungen.

Zutiefst betroffen

Die Witwe des Verstorbenen, Almaz Böhm, äußerte sich im Magazin Madonna zu den Missbrauchsvorwürfen: "Ich bin, wie meine Kinder auch, von den Äußerungen von Frau Sissy Böhm, die sie gegenüber der Bild am Sonntag gemacht hat, zutiefst betroffen." Leider könne sich ihr verstorbener Mann zu den erst jetzt erhobenen Behauptungen nicht mehr äußern. Sie könne aus voller Überzeugung sagen: "Mein Mann war ein wunderbarer Mensch."

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