“Die fröhlichen Priester” – Gerhard Haderers Cartoons zielen auf das Christentum. Da hat er keine Rache zu befürchten.

Foto: Bild: Gerhard Haderer
Die internationale Satire und ihre österreichischen Hasenherzen

Nachdem Islamisten in der Redaktion eines Pariser Satiremagazins zwölf Menschen massakrierten, stellen sich Satiriker europaweit die Frage „Bin auch ich in Gefahr?“ Witzigerweise auch die österreichischen, die schon bisher unübertrefflich kuschten.

Wie weit darf Satire gehen? Im Sinne von Kurt Tucholsky („Satire darf alles!“) meinte jetzt der britische Komiker Rowan Atkinson („Mr. Bean“) „das Recht, zu beleidigen“ sei um vieles wichtiger als „das Recht, nicht beleidigt zu werden“.

Und so wird es wohl sein, denn sonst wäre schon bald auch „Dinner for One“ verboten. Irgendein beleidigter Senior oder Tierschützer (Eisbärenfell!) würde sich sicher finden. Zumindest diese Frage stellt sich auch hierzulande: Wenn Stermann und Grissemann (bei Kindern derzeit Kult wegen ihrer Werbespots, in denen sie bunt kostümiert „Danke, Wasserkraft!“ skandieren) einige Tage nach Jörg Haiders Tod feixen, er wäre einem Kärntner Hirtenbuben in einer brennenden Ortstafel erschienen, so ist das für seine Angehörigen sicher alles andere als lustig.

Nur Alf Poier ätzte gegen den Islam

Aber Angst vor mohammedanischen Rächern? Von jenen österreichischen Kabarettisten, die die Vorzensur überleben und ins Fernsehen und auf größere Bühnen gelassen werden, hat bisher nur Songcontest-Barde Alf Poier geätzt, die Muslime benötigen keinen eigenen Feiertag, sie hätten ohnehin „Allahheiligen“. Auch stellte er die Frage „Was macht der islamische Gärtner?“, um sie sogleich selbst zu beantworten: „Er sprengt den Rasen!“ –  Das war´s dann auch schon.

Österreichs Satiriker gehen zwar schon mit Leidenschaft auf die Religion los – aber ausschließlich auf das Christentum. Damit überschreiten sie jene Grenze, die Berufskollege Jesko Friedrich zieht: „Satire tritt nicht nach unten. Das arme Würstchen ist nicht der Feind.“ Hier gibt es freilich auch Platz für Diskussionen: Wäre damit nicht jenes rote Knautschpupperl, das sich sogar seine Facebook-Freunde faken lassen muss, trotz seines Bundeskanzlerpostens automatisch im Leo?

Haderer bleibt mutig – gegen das sanfte Christentum

Der springende Punkt ist die Ausschließlichkeit: Wenn in Österreichs politischer Satire alles durch den Kakao gezogen bis auf die Grünen (aus Gründen der Parteilichkeit), ist das genauso peinlich wie die Fixierung auf die Kirche. Karikaturist Gerhard Haderer ist das beste Beispiel. Kaum eine TV-Sendung dieser Tage, in der er nicht auftaucht, weil er vor Jahren in Griechenland wegen seines Jesus-Cartoonbandes ein Blasphemie-Verfahren am Hals hatte und es noch heute in seinem Monatsheftchen „MOFF“ eine Jesus-Rubrik gibt.

Aber was bedeutet Katholizismus heute in Wien? Einige ältere Damen, denen der Mann weggestorben ist, und zwei jüngere, die keinen kriegen, scharen sich um ihren polnischen Pfarrer, um selbstgebackene Kekse zu verkaufen und den Erlös einem afrikanischen Dorf zu schicken. Da muss der charakterliche Karnickel-Karikaturist Haderer keine Rache befürchten. Dass er sich jetzt „nicht unterkriegen lässt“, ist ein Scherz. Schmäh ohne.

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