Das Baustellenchaos in Wien hat einen Manager bekommen.

Bild: dedljiv/ flickr (CC BY 2.0)
Unfähige Vassilakou setzt Koordinator für Baustellen ein

Wenn ein Politiker in Wien nicht weiter weiß, gründet er meistens einen Arbeitskreis. Anders geht die Grüne Planungsstadträtin Maria Vassilakou vor. Wenn sie mit ihrem Latein am Ende ist, wird ein neuer Job möglichst für Parteigünstlinge geschaffen. So verfügt die rot-grün regierte Stadt mittlerweile über eine Reihe von Beauftragten und Koordinatoren. Jetzt ist wieder einer dazu gekommen: Nach dem Baustellenchaos im Sommer und heftiger Kritik daran von Volksanwalt Peter Fichtenbauer (FPÖ) wurde ein Baustellenmanager eingesetzt.

Peter Lenz heißt der Mann, der den künftigen Baustellensommer nicht mehr zum Chaos machen soll. 13.842 Mal wurde in der Urlaubszeit aufgegraben, asphaltiert oder ein neuer Belag auf einer Brücke aufgetragen. Bei zwei Baustellen lagen die Nerven der Autofahrer völlig blank – auf der Gürtelbrücke und in der Westeinfahrt, die auch wegen der fehlenden Ausweichstrecken zu Staufallen wurden. Weil überhaupt nichts mehr weiterging in Wien und es täglich Beschwerden der Verkehrsteilnehmer gab, leitete Volksanwalt Peter Fichtenbauer ein amtswegiges Prüfungsverfahren ein. In der Folge kam es sogar zu einem Strafverfahren gegen eine säumige Baufirma.

Baustellen nicht nur im Sommer

Spät, aber doch reagierten nun auch die politisch Verantwortlichen für dieses Baustellenchaos und installierten mit Peter Lenz einen Baustellenmanager. Dass er zuvor die Baustelle um das Krankenhaus Wien Nord geleitet hat, ist nicht unbedingt eine Referenz. Denn dort stiegen die Kosten angeblich ins Uferlose. Schuld daran soll ausgerechnet die chaotische Koordination des Baus gewesen sein. Lenz kündigte bei seiner Präsentation als erste Konsequenz seiner neuen Arbeit an, die Baustellen auf den Straßen auf das ganze Jahr zu verteilen, statt sie im Sommer zu konzentrieren.

Die Opposition in Wien begrüßte die Einsetzung eines Baustellenmanagers. Damit sei eine langjährige Forderung der FPÖ umgesetzt worden, sagte etwa der freiheitliche Verkehrssprecher in Wien, Gemeinderat Anton Mahdalik. Und ÖVP-Chef Manfred Juraczka meinte, dass die Ankündigungen von Lenz zwar gut seien, diese müssten aber auch in die Tat umgesetzt werden, "wir werden uns das genau anschauen", so Juraczka.

Vom Parkpickerl- bis zum Schulschwänzerbeauftragten

Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) und Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) müssen sich jedoch die Kritik gefallen lassen, dass die Flut von Koordinatoren und Beauftragten weiter zunimmt und das Budget dadurch immer mehr belastet wird. Tatsächlich gibt es neben Peter Lenz als Baustellenmanager auch noch den Wiener Uni-Beauftragten Alexander Van der Bellen und als Hochblüte der Wiener Beauftragungskultur den Schulschwänzerbeauftragten, der aber erst nach dem Fahrradbeauftragten, dem Fußgängerbeauftragten, dem Seniorenbeauftragten, dem Garagenbeauftragten, dem Landesenergiebeauftragten und dem Parkpickerlbeauftragten in diese Elite mit ordentlichen Gagen aufgenommen wurde.

Die Leistungen dieser Beauftragten ist sogar Bürgermeister Häupl verborgen geblieben: "Bisher ist mir nichts aufgefallen!" Das sagte der Wiener Bürgermeister im Jänner 2013 auf die Frage von Journalisten, was Martin Blum und dessen Radagentur bis dato geleistet hätten. Der gelernte Wiener fragt sich zudem, was eigentlich die für diese Geschäftsbereiche zuständigen Gemeindebediensteten leisten, wenn es praktisch schon für jeden Stadtrat – und sogar für die Stadtschulratspräsidentin – einen Sonderbeauftragten gibt?

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