Rausschmiss nach Sex im Cafe: Lesben fühlen sich diskriminiert

Die Schwulen- und Lesbenszene hat endlich wieder einen Grund, sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren – und die Medien spielen dafür gerne den Handlanger. Was ist passiert? Ein lesbisches Paar soll sich beim Treffen im Wiener Ringcafé Prückel geküsst haben – und flog daraufhin aus dem Lokal. Der Verweis ist rechtlich gedeckt. Egal, ob lesbisch oder heterosexuell, wer sich in einem Kaffeehaus zu sexuellen Handlungen hinreißen lässt, kann vor die Tür gesetzt werden.

So ist der Vorfall im traditionellen Wiener Kaffeehaus Prückel kein Einzelfall, sondern vielmehr ein Fall unter vielen, die Tag für Tag in öffentlichen Lokalen passieren. Und hätte es sich dabei um ein heterosexuelles Paar gehandelt, dass sich daneben benommen und deshalb das Café verlassen hätte müssen, wäre dies keinem Medium eine Zeile oder einen Bericht wert gewesen. Bei einem lesbischen Paar ist aber alles anders: Allein der ORF berichtete über den "Prückel-Rauswurf" in seinem Lokalsender "Wien heute", in "Heute Österreich" und sogar im "ZIB-Magazin". In den Nachrichtensendungen des Radios sowieso.

Mehr als ein Begrüßungskuss

Was genau hat sich im Prückel also abgespielt? Laut dem lesbischen Pärchen gab es nur einen Begrüßungskuss, woraufhin der Kellner die beiden abschätzig behandelt und sie dazu aufgefordert haben soll, dies zu unterlassen. Nachdem sich die Frauen bei der Geschäftsführung beschwerten, seien sie des Lokals verwiesen worden. So die Darstellung des lesbischen Pärchens. Prückel-Betreiberin Christl Sedlar behauptete, dass es "mehr als ein Begrüßungskuss" war. Zum Lokalverweis war Sedlar jedenfalls berechtigt, sie kann laut Gesetz einen Verweis vornehmen, wenn die Gäste sich nicht entsprechend benehmen. Und da spielt es keine Rolle, welche sexuelle Vorlieben jemand hat.

Küssen auch im Hawelka verboten

Die Achse Kritischer Schüler_innen (AKS) und die HOSI Wien sahen trotzdem eine Diskriminierung und rufen zur Protestkundgebung auf. Diese soll am kommenden Freitag stattfinden. Kurioses am Rande: Zum Interview mit dem ORF trafen sich die betroffenen Frauen im Café Hawelka. Dort ist das öffentliche Küssen ebenfalls verboten, wer sich daran nicht hält, müsse gehen – sagte der Kellner ins ORF-Mikro.

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